Schließt sich der Kreis nach 19 Jahren?

Choreo von THE UNITY zum Einlauf der MannschaftenFür mindestens zwei Fangenerationen könnte sich am 19. April im Berliner Olympiastadion der Kreis endgültig schließen. Vor 19 Jahren hat genau dort der Aufbruch in eine neue schwarzgelbe Zeit begonnen.

Es gibt Abende, an denen stimmt fast alles. Einzelteile fügen sich zu einem Ganzen, Tribünen wachsen zusammen, Thomas Doll beweist ein mehr als glückliches Händchen bei seinen Auswechslungen, eine eigentlich verkorkste Saison erstrahlt in einem neuen Glanz und das Glück hat einen klangvollen Namen: Berlin.

Begonnen hatte das Halbfinale schon gegen 15:00 Uhr in der Dortmunder Innenstadt. Die ersten blau-gelb-weißen Busse hatten die Stadt bereits in den frühen Mittagsstunden erreicht. Da konnte man schon ahnen, wie gewaltig der Jenaer Anhang abends in Dortmund antischen würde. Die Thüringer hatten ihr Kartenkontingent bis auf die letzte Karte abgerufen. Der Anhang präsentierte sich dann auch im Stadion sehr lautstark. Besonders die eindrucksvollen Wechselgesänge konnten auch in einem Bundesligastadion überzeugen.

Tinga bejubelt seinen FührungstrefferDas Spiel ist schnell erzählt. Konnte Jena, nach der Dortmunder Führung in der 12. Minute durch Tinga, die erste Halbzeit noch absolut ausgeglichen gestalten, war das Spiel bereits fünf Minuten nach Wiederanpfiff entschieden. Jan Simak, der dem Spiel seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit seinen unverkennbaren Stempel aufgedrückt hat, wurde in der 50.Minute des Feldes verwiesen. Von diesem Schock, dieser sportlich katastrophalen Schwächung, sollte sich Jena im weiteren Spielverlauf nicht mehr erholen. Jan Simak hat Jena überhaupt erst ins Halbfinale geführt -  und dieses Spiel dann auch für seine Farben verloren. So grausam geht der Fußball wohl nur mit seinen Lieblingsschülern um. Unbeherrschtheit und Unvernunft paaren sich dabei mit einem nahezu unglaublichen Talent.

Logische Konsequenz des Dortmunder Überzahlspiels waren zwei weitere Treffer. Unmittelbar nach seiner Einwechslung in der 70.Minute traf Klimo mit gewohnter Abstauberqualität zum entscheidenden 2:0, einige Minuten vor Spielende noch ein Nackenschlag für die Thüringer. Das 3:0 durch den technisch beschlagenen Mladen Petric. Zu diesem Zeitpunkt hatten die schwer angeschlagenen Boxer in der blauen Ecke aber bereits das Handtuch geworfen.

Wer vor diesem Halbfinale geglaubt hat, Jena könnte vielleicht die einsetzenden Effekte eines nervösen Dortmunder Publikums für sich nutzen, der musste sich an diesem Abend ebenfalls eines Besseren belehren lassen. Das Stadion stand an diesem Abend wie ein Mann, wie eine gelbe Wand hinter der Mannschaft. Es gab Phasen und Momente, da war reine Gänsehautstimmung. Reines Grenzenloser Jubel nach AbpfiffPokalfeeling vor rekordverdächtigen 80.700 Zuschauern in Feierlaune. Man konnte sehen, wenn sich die Möglichkeit bietet, ist Dortmund immer noch das beste Stadion der Bundesliga. Vor Frankfurt, vor Nürnberg und auch vor allen anderen Stadien der Liga. Eine richtig schöne Choreo vor dem Spiel, lautstarker Support und brechende Dämme nach dem 2:0. Akustisch haben sich Süd-,  West- und Osttribüne schon einmal eindrucksvoll in der Hauptstadt angemeldet.

Nach dem Spiel dann unbeschreiblicher Jubel auf der Südtribüne. Gigantisch, da wollte erst einmal niemand nach Hause gehen. Die Mannschaft legte in ihren neuen Berlin-Pokal-Shirts noch eine flotte Sohle auf den Elfmeterpunkt. Besonders schön: Auch der Jenaer Anhang bedankte sich lautstark bei der Elf für eine überragende Pokalsaison. Trotz 0:3, trotz Endstation Dortmund. Für Jena dürfte der Halbfinalauftritt in Dortmund für lange Zeit der letzte große Auftritt im Fokus der Öffentlichkeit gewesen sein. Der Abstieg in die dritte Liga scheint unvermeidbar.

Trainerstimmen:

Thomas Doll:

Thomas Doll auf der anschließenden PressekonferenzDas war in der ersten Halbzeit nicht gut von uns. Wir hatten wahnsinnig große Lücken im Mittelfeld. Da stimmte die Aufteilung überhaupt nicht. Das habe ich meinen Spielern in der Kabine auch gesagt und das haben meine Spieler in der zweiten Hälfte auch weitaus besser gemacht.

Wir sind einfach nur glücklich. Ich bin jetzt genau ein Jahr in Dortmund. Es war ein Auf und Ab. Für den Einzug ins Finale von Berlin haben wir hart gearbeitet. Ich freue mich jetzt mit meinen Jungs - und ganz besonders freut es mich für unser unbeschreibliches Publikum. Sie haben uns heute phänomenal unterstützt. Das war heute eine Gänsehaut-Stimmung. Die Leute wurden in der Saison oft enttäuscht. Aus dem Grund freut es mich für sie ganz besonders. So ein Endspiel ist auch für unsere Fans ein tolles Erlebnis.

Henning Bürger:

FCC-Coach Bürger zeigte sich nach dem Spiel sehr enttäuschtZuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch an Borussia Dortmund. Das Finale in Berlin ist was ganz besonderes.

Ich bin sehr, sehr traurig. Wir haben eine tolle Pokalrunde gespielt, auch heute hat meine Mannschaft in der ersten Halbzeit guten Fußball gespielt. Nach dem Platzverweis von Jan ging dann nicht mehr viel. Ich habe ja selbst auch mal Fußball gespielt. Von daher kann ich mir vorstellen, wie Jan sich jetzt in der Kabine fühlt. Auf uns wartet jetzt wieder der Ligaalltag. Auch wenn es im Moment schwer fällt.

Borussia Dortmund wünsche ich für das Finale in Berlin viel Glück.

 

Aufstellungen um 20:30 Uhr

FC Carl Zeiss Jena

Khomutovski - A. Maul, R. Müller, Omodiagbe - Werner, Ziegner, N. Hansen, Stegmayer (der wirklich ein sehr auffälliges Spiel gemacht hat) - Simak - Petersen, Schied

Borussia Dortmund

Marc Ziegler - Rukavina, Amedick, Wörns, Dede - Kehl - Tinga, Buckley - Federico - Frei, Petric

Wechselspielchen der Übungsleiter:

69. Kringe für Buckley
69. Klimowicz für Frei
79. Hummels für Tinga

73. Amrhein für Schied
84. Saka für Petersen

Spielverlauf:

1:0
Tinga (13., Rechtsschuss, Vorarbeit Petric)

2:0
Klimowicz (70., Linksschuss, Kringe)

3:0
Petric (87., Linksschuss, Kehl)

Sonstiges für Freunde der Datenerhebung:

Anstoß: 18.03.2008 20:30
Stadion: Westfalenstadion
Zuschauer: 80708 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

Gelbe Karten: Buckley, Tinga - Omodiagbe

 

Rolf, 19.03.2008