Bremen-Tour Teil II: Wieder keine Punkte an der Weser
Das erste Pflichtspiel der Amateure in diesem Jahr, das nicht parallel zu den Spielen unserer Profimannschaft angepfiffen wurde, bescherte über 200 BVB-Fans ein Déjà-Vu-Erlebnis: Wie schon am letzten Samstag beglückte einem der Spielplan des DFB mit einem Auswärtsspiel in Bremen. Nun ja, es gibt sicherlich attraktivere Gegner als Bremen II für ein Auswärtsspiel, gerade wenn man bedenkt, dass man in dieser Saison nicht gerade viele Auswärtsspiele der BVB-Zweitvertretung begleiten durfte.
Und schon wieder nach Bremen
Für Amateurinteressierte sollte es letztlich aber auch egal sein, gegen wen gespielt wurde. Hauptsache man konnte mal wieder ein Spiel der Zweitvertretung live im Stadion verfolgen. So versammelte sich am frühen Morgen am Dortmunder Hauptbahnhof auch ein ordentlicher Zugfahrermob, der in Hamm und Stationen im Münsterland und Ostwestfalen auf über 100 BVB-Fans anwuchs. Mit Umstiegen in Minden und Wunstorf (fast eine halbe Stunde Aufenthalt), erreichte man die Hansestadt recht zügig gegen Viertel vor Eins. Ereignisreich war die Fahrt dagegen nicht sehr. Ab Minden
störten viele Touristen, die auf dem Weg zur Cebit nach Hannover waren. Anscheinend hat man wohl richtig was verpasst, wenn man in diesem Jahr nicht den Weg zur Cebit gefunden hat. Ab Wunstorf lief die Fahrt dann ein wenig entspannter, wenngleich auch der Zug gen Norddeich Mole leicht überfüllt war.
In Bremen erwartete einem im Vergleich zu den letzten Auswärtsfahrten der Amateurspiele ein recht akzeptables Polizeiaufgebot, wenngleich ich auch nach wie vor nicht wirklich verstehe, warum dieses überhaupt notwendig ist. Die aktive Bremer Fanszene befand sich in Stuttgart, so dass hier jeglicher Kontakt fehlte. Immerhin ließ einem die Staatsmacht die freie Wahl, ob man den Weg zum Stadion per pedes oder mit der Straßenbahn antreten möchte. Während sich der Großteil für einen Fußmarsch zum Nebenplatz 11 des Weserstadions entschied, bevorzugte eine kleinere Gruppe Dortmunder die Straßenbahn. Bei beiden Varianten gab es keinerlei Probleme, so dass man „Platz 11" zeitig vor Anpfiff erreichte.
„Platz 11" nun mit Flutlicht
Im Gegensatz zum letzten Spiel der Regionalliga Nord, damals an einem Mittwochnachmittag, erwartete der schwatzgelbe Anhang einige Veränderungen im „Stadion". Die Wichtigste ist wohl zweifelsohne ein ganz akzeptables Flutlicht, das sogar besser sein dürfte als das in unserer Roten Erde und sich etwa auf dem Stand des Cottbuser Stadion der Freundschaft befinden dürfte. Dazu wurde nun die komplette Gegengerade versitzplatzt und rund um die Tartanbahn befindet sich nun wie im Gästeblock der Roten Erde ein Fangnetz. Das soll es dann aber auch gewesen sein - der Rest erstrahlte in gewohnter Tristesse. Im Gegensatz zum Spiel der letzten Saison war auch der Gästebereich geöffnet, der auch von fast allen mitgereisten BVB-Fans genutzt wurde. Unter Gästebereich darf man sich hier einen Kurvenabschnitt mit vier Stufen vorstellen.
Bis zum Anpfiff fanden sich dann gut 250 BVB-Fans im "Stadion" ein, bei einer Gesamtzuschauerzahl von glatten 500, immerhin gut die Hälfte. Postiert wurde sich am Kurvenanfang an der Hauptseite. Der Gästeblock wurde mit den bekannten Zaunfahnen geschmückt und dann sollte es auch gleich losgehen. Zum Intro gab es im Gästeblock gut zwanzig kleine schwarz-gelbe Stofffähnchen, die auch während des Spiels durchgehend
geschwenkt wurden. Ein netter Anblick. Dazu gab es heute richtig guten, zum Teil auch sehr laut vorgetragenen Gesang. Mit ganz wenigen Ausnahmen kann man ruhig von Dauergesang sprechen. Auf jeden Fall wieder ein Schritt nach vorne, nachdem es ja in Erfurt nicht mehr ganz so gut lief.
Zum Sportlichen
Um den Abstand zu dem ominösen Platz 11 nicht sehr zusammenschmelzen zu lassen, hoffte man, zumindest einen Punkt aus Bremen mitzunehmen und so traten die Schützlinge von Trainer Schneider von Beginn an engagiert auf und hatte kurz nach Anpfiff die Gelegenheit, nach einem Foul an Ricken durch einen Freistoß aus sehr aussichtsreiche Position in Führung zu gehen, doch Sahr Senesie konnte den Ball nicht gefährlich genug vor das Tor bringen.
Borussia versuchte von Beginn an Druck zu entwickeln, kämpfte aber mit dem Problem, das zu viele Bälle leichtfertig verloren wurde, so das der nach vorne getragene Ball sofort wieder in die Abwehr zurückkam. Erneut große Aufregung herrschte in Spielminute sieben, als ein Bremer im Strafraum zu Fall kam, doch Schiedsrichter Fischer aus Emden verweigerte den Elfmeterpfiff. Schulz hatte kurze Zeit später auf Seiten der Gastgeber die erste Großchance, doch Höttecke vereitelte sie in Klassemanier. Werder wurde von Minute zu Minute stärker und konnte in der 12. Minute die nächste Großchance verzeichnen, als Artmann völlig allein vor Höttecke auftauchte, doch wieder konnte dieser die Chance vereiteln.
Sahr Senesie hatte zur Mitte der ersten Halbzeit die nächste BVB Chance als er Torwart Mielitz aus kurzer Entfernung prüfte, dieser parierte in ähnlicher Manier wie auf der anderen Seite Höttecke bei der Vereitelung der Werder Chancen. Während der gesamten Halbzeit kämpfte das Offensivspiel des BVB mit Abstimmungsproblemen im Mittelfeld und dem bereits erwähnten Problem, das im Aufbauspiel zu viele Bälle verloren werden. Theo Schneider sah sich bereits in der 34. Minute zum Handeln gezwungen und wechselte Omerbegovic für Nöthe ein. Unmittelbar vor der Halbzeit dann die, mittlerweile hochverdiente, Führung für die Gastgeber, als Artmann einen abgewehrten Ball vor die Füße bekam und diesen dann unhaltbar rechts oben Dortmunder Tor einnetzte.
Die zweite Halbzeit
Den zweiten Durchgang begannen unser schwarzgelben Helden unter der Regie des unermüdlichen Uwe Hünemeier deutlich bissiger, um sofort zu zeigen, dass man gewillt war, dem Gastgeber alles abzuverlangen. Doch eben jene übernahmen sofort wieder das Kommando und erspielte sich zwischen der 53. und der 61. drei Großchancen, die jedoch vergeben wurde. Zwischen den Chancen der Gastgeber hatte der BVB in der 57.
Spielminute durch Omerbegovic eine Möglichkeit, doch Bremens Mielitz konnte gerade noch zur Ecke klären. Zwischenzeitlich hatte Theo Schneider erneut gewechselt und Ötzekin für Hille ins Spiel gebracht sowie in der 65. Minute Großkreutz für Gordon. Zwanzig Minuten vor dem Ende bekam der BVB einen Freistoß an der Strafraumgrenze zugesprochen und der unermüdlich antreibende Hünemeier lies sich nicht dreimal bitten sondern versengte den Ball unhaltbar im rechten oberen Eck. Bis zur 83. Minute passierte dann so gut wie nichts. Nur der BVB Anhang setzte seinen Dauersupport fort und sollte auch bis zum Ende de Partie nicht verstummen. In eben jener Minute gelang es dem bislang glücklosen Kevin Schindler einer seiner vielen Chancen zu nutzen und überwand dem starken Höttecke von halbrechter Position aus. Fünf Minuten vor dem Ende holte Brzenska sich noch eine gelbe Karte ab, bevor Bremens Heider drei Minuten vor dem Ende die endgültige Entscheidung besorgte.
Fazit
Als Fazit, so sagte Trainer Schneider in der anschließenden Pressekonferenz, lässt sich festhalten, das es nicht gelungen ist, den Eindruck vom letzten Heimspiel auszumerzen und immer noch mit dem Problem kämpft, dass es in der Abwehr und im Mittelfeld ganz ordentlich ist, es aber vorne an Durchschlagskraft mangelt und somit der Sieg der Gastgeber sehr verdient sei, da diese den Borussen offensiv deutlich überlegen waren.
Ab nach Hause
Nachdem sich noch Ricken, Brzenska & Co. vom Gästeblock verabschiedeten, sollte auch direkt der Heimweg angetreten werden. Wie bereits auf der Hintour entschied sich ein Teil für den Fußweg entlang der Weser und durch die Innenstadt, während der andere Teil die Straßenbahn bevorzugte. Durch Bauarbeiten fuhr die Bahn auch direkt zum Hauptbahnhof, so dass man sich einen zusätzlichen Umstieg ersparte. Dennoch reichte die Zeit nicht aus und man verpasste den Zug gen Heimat um etwa zehn
Minuten. So durfte man fast eine geschlagene Stunde am Bremer Hauptbahnhof rumgammeln. Für den ersten Abschnitt von Bremen nach Wunstorf kamen unsere grünen Freunde dann auf die Idee, uns einen eigenen Waggon zu reservieren - quasi um die Zugfahrer besser beschützen zu können.
Sicherheitswahn auf der Rückfahrt
Generell musste man auf der Rückfahrt eh den Eindruck haben, dass den BVB-Fans Schreckliches widerfahren könnte. Das ganze Ausmaß wurde einem dann aber erst in Wunstorf bewusst, als einem ein Dutzend Beamte der Bundespolizei nebst zahlreichen Polizeihunden empfing. Absolut lächerlich und maßlos übertrieben. Was sollte denn schon an einem Bahnhof in der Provinz wie in Wunstorf passieren? Genau, absolut gar nichts - und so konnten die Beamten dann auch ganz genau kein einziges Vorkommnis verzeichnen. Super, hat sich der Einsatz ja mal wieder gelohnt. In Wunstorf ging es dann weiter nach Minden. Doch auch hier gab es ein kleines Problem: die S1 kam direkt aus Hannover und was erwartete einem im Zug? Richtig, es war die Kategorie „C-Bit", die einen mit picke packe vollen
Einkaufstaschen empfing. Also mal wieder Gedränge an den Türen und in den Gepäckabteilen, sowie Verspätung en masse. Immerhin wartete der Westfalenexpress in Minden brav auf den S1-Anschluss. Mit dem RE6 ging es dann auch ganz fix von Minden nach Dortmund. In Bielefeld, wo ja vorher noch die Blauen gegen den heimischen DSC spielten, blieben dann doch sogar die erwarteten Schreckensszenarien der Bundespolizei aus, da der blaue Anhang bereits einen Zug früher den Heimweg angetreten hatte. Die Verspätungen ab Minden konnten nicht mehr aufgeholt werden, so dass man die heimische Westfalenmetropole mit gut einer halben Stunde Verspätung um halb zehn erreichte.
Statistik zum Spiel
Werder Bremen II: Mielitz - Erdem - Mohr - Heider - Kruse - Löning - Artmann - Stallbaum- Schindler - Ronneburg - Schmidt
BVB II: Höttecke - Brzenska - Hillenbrand -Nöthe - Hille - Njambe - Ricken - Gordon - Eggert - Hünemeier - Senesie
Schiedsrichter: Kuno Fischer (Leer), mit Reiner Bippen und Stephan Müller
Zuschauer: 500, Weserstadion Platz 11
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