Träume, ungelegte Eier und Freibier
Kaum war die Halbfinalpaarung zwischen dem BVB und Carl Zeiss Jena perfekt, da schwebten alle Beteiligten im siebenten Himmel. Die bedröppelten Jenaer (Jenenser) hatten sich nach der 0:2 Niederlage in Koblenz, die den Rückstand auf einen rettenden Nichtabstiegsplatz auf 10 Punkte anwachsen ließ, gerade die Haare geföhnt, als die Kunde vom "Traumlos" gegen Borussia Dortmund kam.
Hatte man doch in den Führungsetagen des FCCZ seit der Sensation in Stuttgart am letzten Dienstag stets erklärt, dass ein Spiel in München oder Dortmund das Nonplusultra für alle Thüringer, wenn nicht sogar den gesamten Ostfußball sein würde. Man schwärmte von den tollen Stadien und betonte unmittelbar nach der Auslosung vor laufenden Kameras die - gerade für Jena unbestritten wichtigen - Zuschauer- Werbe- und Fernseheinnahmen (geschätzt knapp unter zwei Millionen €). Für den *Igitt*-Gelb-*Igitt* gefärbten Anhang ist die Rückkehr ins Westfalenstadion, dem Ort des großen Triumpfes in der 2. Hauptrunde 1993, gewiss ein Höhepunkt der Fankarriere. Allerdings beschleicht einen das Gefühl, Zusatzeinnahmen und das "Erlebnis Westfalenstadion" im Pokal stünden über dem sportlichen Überlebenskampf in der zweiten Liga. Die Spieler des FCCZ scheinen dies zu bestätigen. Nach einem grottenschlechten Start in die Saison riss man sich zusammen und blieb bis Ende der Hinrunde zumindest in Sichtweite zu den rettenden Plätzen. Zum Start der Rückrunde folgte Ende Januar der Überraschungssieg gegen die Almöis aus Bielefeld. Danach sammelten die Optiker in fünf Zweitligaspielen lediglich magere zwei von 15
überlebenswichtigen Zweitliga-Zählern und verbuchen aktuell einen schier aussichtslosen 10-Punkte-Rückstand zum rettenden Ufer. Ob da der eine oder andere Kicker vom Saalestrand mit der Straßenkarte nach Berlin vor Augen womöglich doch etwas eher die Schienbeine zurück zieht? Man steckt nicht drin.
Kehren wir auch vor der eigenen Tür:
Schon das Erreichen des Halbfinales vor Wochenfrist legte bei einem Teil der schwatzgelben Fangemeinde einen versteckten Schalter um. Unmittelbar nach dem Abpfiff wurden in den Foren rund um die Uhr alle möglichen und unmöglichen Szenarien für die "Qualifikation" zum UEFA-Cup durchgespielt und durchdiskutiert. Als man dachte, schlimmer geht´s nimmer, sah man sich spätestens Sonntagabend nach der Auslosung für das Halbfinale eines Besseren belehrt: Auch Dortmund hat hatte sein Traumlos bekommen, ein Ausscheiden gegen den Letzten aus Liga Zwo - undenkbar. Endlos und in mehrmals täglich wiederkehrenden Schleifen beglückten einen die immer gleichen Fragen und Diskussionen um Theorien über den Big Deal. Kaum las man ein Wort über ein mögliches Fußballfest in Berlin, über einen Pokal, mit dem man die Mannschaft nach nur zwei weiteren Siegen, 30 Kilometer entfernt vom verheulten Jubiläumsdorf, triumphal in Empfang nehmen könnte und der den schwarzgelben Wimpel mit einem weiteren Titel schmücken würde. Borussia Dortmund spielt momentan um einen Titel, den 1989 hunderttausende Borussen in Dortmund gefeiert haben, nach dem sie nach fast 20 Jahren Abstinenz wieder lechzen und es spielt um einen Titel, für den sich die Komischen, wenn er denn in Schalenform gewürdigt würde, noch heute freiwillig von der Champions League abmelden würden und am Borsigplatz träumt alles schon vom großen Geld und Reisen durch Europäische Provinzen. Sollte eine Finalteilnahme der Bazis dem BVB glücklicherweise Europa und zusätzliche Euros bescheren, wäre es für den restlichen Saisonverlauf sicher beruhigender Balsam für die strapazierten schwatzgelben Nerven und die Haushaltskasse am Rheinlanddamm. Aber bitte immer einen Schritt nach dem anderen.
"Ruuuhig, Brauner, ruhig"
Zu der UEFA-Taschenrechnergang gesellte sich zeitgleich die Ticketbande, gesteuert vom Fanvirus im mentalen Bootmenü. Keine Stunde, in der nicht eine neue, alte Frage zur Ticketverteilung für das Finale auftaucht. Die wildesten Theorien machen die Runde und es bleibt abzuwarten, wann dem verzweifelten Borussen endlich jemand erklärt, dass man 17.500 Karten doch auf alle 50.000 Dauerkarteninhaber verteilen und die übrig gebliebenen 20.000 Tickets an die restlichen Interessenten verlosen kann. Wohlgemerkt, wir reden von Eintrittskarten für ein Endspiel, das sportlich noch gar nicht erreicht ist und über deren Verteilung bekanntermaßen noch nichts entschieden ist.
Um nicht alles schlecht zu reden mal zu den positiven Seiten des alltäglichen Kartenhype: Urplötzlich trifft man alte und neue Freunde. Jeder, der das Westfalenstadion schon einmal leibhaftig oder in der Sportschau gesehen hat, bekommt seit Sonntag plötzlich haufenweise Mails, SMS und Anrufe von alten Freunden, Bekannten und Ex-Geliebten, die man allesamt schon als nach Neuseeland ausgewandert oder für verstorben geglaubt hat. Kinders, kommt Ihr Euch dabei nicht selbst blöd vor? Bei den nächsten Heimspielen können Stammborussen ihr Geld übrigens zu Hause lassen .Mindestens einer der "guten Freunde" wird Euch dann sicher mit folgendem Satz auf die Schulter klopfen:
"Mensch Alter, Du hier? Weißte noch, ich hab doch damals in der Bahn nach Bochum drei Reihen hinter Dir gesessen...auch´n Pils?"
Zusammenfassung vom aktuellen Stand beim Kartenvorverkauf:
Dauerkarteninhaber können Ihre Karten ab sofort im Online-Shop, in der BVB-Geschäftsstelle, dem Megastore in Dortmund-Hörde oder in den Fanshops des BVB bis zum 10.3. eintauschen.
Karten für Plätze, die nicht über Dauerkarten reserviert sind, können ebenfalls ab sofort bei allen Vorverkaufsstellen des BVB, im Online-Shop, in der BVB-Geschäftsstelle, dem Megastore in Dortmund-Hörde oder den Fanshops des BVB erworben werden.
Alle nicht eingetauschten Dauerkarten kommen am Dienstag, 11. März 2008 in den freien Verkauf und stehen den Dauerkarteninhabern nicht mehr zur Verfügung!
Pokalfinale 19. April 2008
Der BVB und die Abteilung Fanbetreung des BVB haben nachdrücklich darauf hingewiesen, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Vorbestellungen für ein mögliches Finale angenommen werden. Ebenso wird über die Verteilung der Finalkarten erst nach Erreichen des Pokalfinales entschieden. Etwaige Vorbestellungen werden daher nicht beachtet sondern landen unbearbeitet im Papierkorb:
Nachzulesen hier
Altrocker, 05.03.2008
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