Alarmstufe blau

Asimoah im Derby Was haben die traditionell blaugefärbten Lokalgazetten doch die komische Mannschaft aus GE in den Himmel gelobt, als sie sich mit Hilfe eines erstaunlich starken und mit Schaum vor dem Mund spielenden Gerald Asamoah und eines erstaunlich schwachen Schiedrichters Peter Gagelmann drei Punkte im Westfalenstadion ermogelten? Von der Meisterschaft wurde da fabuliert, die ja plötzlich wieder zum Greifen nah sei, vom blauen Stern, der wieder hell erstrahle. Knappe vier Wochen später sieht das ganze anders, nämlich sehr viel erfreulicher, aus.

So schnell geht es im Bundesligageschäft: Die Blauen haben nach drei lustigen Niederlagen in Folge, die aus einer Mischung aus Arroganz und der schon bekannten fußballerischen Mittelmäßigkeit resultierten, die Schale - mal wieder - so gut wie verpasst und sind auf dem besten Wege, auch noch die für sie so wichtige Champions League-Qualifikation zu vergeigen. Dazu zettelte Schnusi Schnusenberg, der teilweise völlig derangiert wirkende S05-Präsident, in seiner grenzenlosen Ahnungslosigkeit eine Trainerdiskussion an. In die Mirko Slomka - für uns lustigerweise, für ihn fatalerweise - auch noch einging, in dem er Verständnis dafür zeigte, dass ein Bundesligatrainer nach zwei Niederlagen in Folge in Frage gestellt werden darf. Au weia, wie oft hätten wir dann eine Trainerdiskussion?

Wie lange bleibt er noch Trainer bei den Blauen? Doch damit nicht genug: Die Besucher der Bier-Arena sind, vom Vorstand weichgespült und geblendet, schon völlig auf Linie. Ihr Anspruchsdenken ist genauso überzogen und dem Reich der Fabel anzusiedeln, wie das von Andreas Müller und Co. Da wird im eigenen Stadion gepfiffen, wenn es nach 20 Minuten immer noch 0:0 steht. Da wird lauthals „Slomka raus" in Leverkusen gefordert, obwohl es gegen ein wirklich überdurchschnittliches Bundesligateam ging, das dann durch einen glücklichen aber sehenswerten Weitschuss von Sturmgranate Manuel Friedrich fünf Minuten vor Schluss 1:0 gewinnt. Na gut, eine wirklich ordentliche Mannschaft verliert dort nicht, sondern spielt mindestens 2:2. Trotzdem lächerlich von den blauen Fans, zumal ein „Neuer raus" die Saison über gesehen viel treffender wäre.

Die rasende Kommerzialisierung, die aufgrund eines immens hohen Schuldenstandes und eines ziemlich teuren Kaders bitter nötig zu sein scheint, tragen die S05-Fans, ohne nachzudenken, auch mit. Das Herner Wochenblatt vermeldete kürzlich, dass sich ein „Holsterhauser Fan sein Auto in Blau-Weiß lackieren" ließ. Ein Anblick, bei dem jedem vernünftigen Menschen schlecht wird. Und eigentlich sollte auch jeder Blaue die Nase rümpfen. Denn prominent auf der Motorhaube platziert und vom Fotografen ins rechte Licht gerückt, leuchtet der Sponsorenname der Turnhalle. Solche Fans, die für diese kostenlose Werbung auch noch teuer beim Autolackierer bezahlen, wünscht sich jeder Vereinsverantwortliche - und jeder Sponsor.

Die Trainersuche, die ja offiziell gar nicht stattfindet, trifft auch auf vollstes Verständnis der GE-Fans. Den Slomka wollen sie nicht mehr haben, soviel steht fest. Eine Umfrage auf www.derwesten.de ergab letztens, dass die Blauen gerne einen neuen Trainer auf der Bank sehen würden. Aber welche Namen da von den Fans gehandelt wurden, das war fast besser als Quatsch Comedy Club. Da wird der Hebel einerseits am unteren Ende angesetzt: Namen wie Udo Lattek oder Peter Neururer fielen. Nur solche Trainertypen könnten die Karre nun aus dem Dreck ziehen. Klar. Wer auch sonst? Immerhin hat Lattek ja schon alle Pokale geholt. Das war zwar irgendwann vor dem 1. Weltkrieg, aber das ist den Blauen doch egal. Der DSF-Dampfplauderer war ja schon mal so richtig erfolgreich bei den Gelsenkirchenern. Mit schicker Schirmkäppi.

Fabian Ernst im Zweikampf gegen Tinga Andererseits glauben die Fans von der dunklen Seite des Ruhrgebiets tatsächlich, dass sie bei der Trainersuche auf Augenhöhe mit Real Madrid oder AC Mailand agieren können. Ein Übungsleiter mit internationaler Erfahrung einhergehend mit internationalen Erfolgen solle es sein. Ein Guus Hiddink, oder - jetzt festhalten - ein José Mourinho. Ja, genau, den Portugiesen sollen sie sich mal schön holen. Dann geht die blaue Flotte - mal ganz davon abgesehen, dass Mourinho sowieso keinen müden Gedanken an diesen Verein verschwendet - schon alleine wegen dessen Jahresgehaltes endgültig im Sumpf der Insolvenz unter. Aber das scheint den Fans eh egal zu sein. Hauptsache Champions League glotzen. Denn sicherlich heulen schon viele von denen nachts leise ins Kopfkissen, weil sie fürchten, dass es am Mittwoch auf Jahrzehnte hinaus das letzte Mal sein wird, dass ihr Verein in der so genannten „Königsklasse" antreten darf.

Und nun fangen auch die Spieler langsam an, zu maulen. Völlig überrascht von der 0:1-Heimspielniederlage gegen Bayern München forderte Marcelo Bordon, dass mal endlich jemand den Profis in den Hintern treten solle. Dem guten Mann kann geholfen werden. Ich wüsste zigtausende, die das gerne übernehmen würden. Und zwar so feste, dass keiner der blauen Spieler diese gezielten und sauber ausgeführten Tritte jemals wieder vergessen wird. Auf Wunsch gibt´s den Aufweckdienst auch mit Anlauf und extrem festem Schuhwerk.

Inzwischen ist Alarmstufe rot in GE angesagt. Es wird spannend für uns BVB-Fans. Bierflasche kalt legen, Snacks bereitstellen und genüsslich zurücklehnen. Mit großem Amüsement beobachten wir, was zu Zeit dort drüben so alles abgeht. Ganz entspannt. Denn dank Steffi Jones sind wir momentan viel näher an der Europapokalqualifikation als der S05. Dabei sah es noch vor knapp vier Wochen so anders aus......

DvB, 04.03.2008