Vom Winde verweht
Zwischen den Gedanken zum Pokal-Halbfinale und einem möglichen Sprung in die oberen Gefilde der Tabelle wirbelte „Emma“ so einiges durcheinander. Die Frühlingsgefühle nach den Siegen gegen Rostock, Cottbus und Hoffenheim müssen wohl erst einmal wieder auf Eis gelegt werden.
Ausgangslage
Mächtig durcheinander gewirbelt wurde auch die Mannschaftsaufstellung der Borussia. Der rot-gesperrte Dede wurde erneut durch Buckley ersetzt. Blaszykowski ersetzte den verletzten Kringe. Für eine kleine Überraschung sorgte sicherlich die Nominierung von Nelson Valdez, der den Platz für den zuletzt glücklosen Alexander Frei einnehmen durfte. Grund dafür war eine Verhärtung in der Wade. Man wollte nach einer anstrengenden englischen Woche kein Risiko eingehen. Trotzdem fragt sich der normale Fußball-Fan, weshalb Klimowicz nicht nach zuletzt guten Leistungen als Joker, eine Chance von Beginn an erhalten hat.
Werder Bremen plagten ähnliche Probleme. Mit Frings, Borowski, Baumann und dem gesperrten Diego fiel ein komplettes Mittelfeld aus, das qualitativ seines Gleichen in der Bundesliga sucht. Thomas Schaaf entschied sich für eine ganz neue Mittelfeld-Variante mit Daniel Jensen, Clemens Fritz, Jurica Vranjes und Mesut Özil. Ein Vorteil für Dortmund?
Das Spiel begann mit Rückenwind für Dortmund und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Wind blies kräftig von hinten, die Fans waren bestens gelaunt und präsentierten sich in einem Stimmungshoch. Der Gästeblock war bis auf den letzten Platz gefüllt und zeigte sich mit vielen Fahnen und Doppelhalter. Auch sportlich glaubte man mit einer geschwächten Bremer Mannschaft mithalten zu können. Schließlich entschied Dortmund die letzten beiden Begegnungen für sich.
Es versprach zu Beginn ein lustiges Spielchen zu werden mit Chancen hüben wie drüben. Beide Mannschaften profitierten von Fehlern der gegnerischen Mannschaft. Die erste große Chance hatte Werder, nach einem Klärungsversuch von Kovac, der Ziegler in arge Bedrängnis brachte. Kurze Zeit später wurde Ziegler erneut von einem Mitspieler geprüft, als Kehl einen Schuss von Özil abfälscht. Ziegler sollte an diesem Nachmittag eines seiner besten Spiele im Dortmunder-Trikot machen. Als das Spiel mehr und mehr verflachte, stand plötzlich Petric frei vor dem Bremer Torhüter, nach dem ihn Kuba mustergültig bediente. Petric scheiterte an Wiese und vergab die größte herausgespielte Chance für die Borussia an diesem 22. Spieltag. Die Großchance der Dortmunder wurde zu einem Weckruf der Bremer, die daraufhin immer
besser ins Spiel kamen. Klasnic kam nach einem Schuss von Boenisch erneut aus 5 Metern zum Nachschuss, scheitert jedoch an Ziegler. Bevor Ziegler durch einen Freistoß, getreten von Naldo, erneut geprüft wurde, erzielte Tinga ein Tor. Dieses wurde ihm allerdings durch Schiedsrichter Merk aberkannt. Die mitgereisten Dortmunder verstummten plötzlich. Was war geschehen? Bei einem Zweikampf um den Ball kommen Petric und Owomoyela im Strafraum zu Fall. Der Ball landet direkt vor den Füßen von Tinga, der den Ball trocken im Netz versenkt. Schiedsrichter Merk entscheidet auf Foul von Petric an Owomoyela. Eine umstrittene Entscheidung. Kurz vor der Pause eine weitere heiß diskutierte Entscheidung des ansonsten sicher agierenden Gespannes. Sekunden vor dem Pausenpfiff bediente Hunt Rosenberg, der sehenswert per Hacke zum 1:0 vollstreckte. Dieser stand jedoch beim Abspiel einen halben Meter im Abseits. Rosenberg beschrieb seinen Treffer später folgendermaßen: „Ich wusste, dass ich im Abseits stehe, doch als ich merkte, der Ball würde am Tor vorbeigehen, dachte ich, dann mache ich ihn einfach rein.“ Wums, 1:0 für Bremen! Bevor das Spiel wieder angepfiffen wurde, wusste jeder im Stadion, dass das Tor hätte nie gegeben werden dürfen. Die Wiederholung wurde auf der Anzeigentafel gezeigt. Gefrustet gingen die Dortmunder in die Kabine. Wer jedoch glaubte, die Mannschaft würde nun eine Trotzreaktion zeigen, wurde enttäuscht. Umsonst die klasse Unterstützung der mitgereisten Fans, die über das gesamte Spiel hinweg einen tollen Support ablieferten. Dauergesang sollte die immer passiv agierende Borussia aufwecken.
In der zweiten Halbzeit wurde zwar noch ein Petric Freistoß aus 27 Metern an die die Latte des Bremer Tores geweht, doch ansonsten brachte die Borussia kaum noch etwas Konstruktives zustande. Einfache Pässe über 5
Meter kamen nicht mehr bei den Mitspielern an. Das Defensivverhalten war teilweise eines Bundesligisten nicht mehr würdig. Amedick und Kovac erlaubten sich einen Patzer nach dem anderen. Selbst ein Laie konnte erkennen, warum Dortmund mit die meisten Tore in der Liga kassiert hat. Das 2:0 war somit nur eine Frage der Zeit. Ein Fehlpass im Mittelfeld leitete einen schnellen Gegenzug der Bremer ein. Kruska, Tinga und Amedick wirkten beim dem 2:0 wie Statisten. Kruska, der erst eine Minute vor der Pause eingewechselt worden war, wurde anschließend wieder ausgewechselt – die Höchststrafe für einen Fußballer. Für ihn kam mit Diego Klimowicz ein dritter Angreifer. Jener erzielte an diesem Samstag kein Tor, durfte dafür aber auf der eigenen Torlinie ein Tor in der 71. Minute mit dem Kopf verhindern. Das Özil in der 75. Minute nicht noch auf 3:0 erhöhte ist alleine Marc Ziegler zu verdanken. Das Spiel plätscherte vor sich hin, ohne dass die Dortmunder den Versuch eines Aufbäumens zeigten. Trotz der Fehlentscheidungen ist der 2:0 Sieg der Bremer verdient. Für Bremen war es ein wichtiger Sieg in einer schwierigen Phase der Saison, verlor man doch zuletzt mehr und mehr an Boden. Sie zeigten heute über 90 Minuten den Willen, das Spiel zu gewinnen. Dortmund gibt sich mit 45 „einigermaßen guten“ Minuten zufrieden und zieht sich nach einer „Benachteiligung“ durch den Schiedsrichter in sein Schneckenhaus zurück.
Stimmung
Knapp 5.000 Dortmunder hatten sich trotz Sturmwarnungen auf den Weg nach Bremen gemacht. Viele von Ihnen nahmen lange Wartezeiten auf Bahnhöfen und in Zügen in Kauf und zollten dem Sturm Emma Tribut. Doch der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Der gesamte Steh- und in einigen Abstrichen auch der Sitzplatzbereich, hat das Spiel stimmungsmäßig zu einem Heimspiel gemacht. Auch nachdem die Messe eigentlich gelesen war und es 0:2 stand, wurde die Mannschaft weiter unterstützt. Vielleicht ergötzte man sich auch einfach daran, den Bremen-Fans stimmungstechnisch weit überlegen zu sein. Von diesen war nur selten etwas zu vernehmen. Bis auf kurze „Stimmungsblitze“ („Steht auf, wenn ihr…“), war die Vorstellung der Werderaner äußerst enttäuschend. Ebenso enttäuschte auch die optische Darbietung der Heimkurve. Nur wenige Doppelhalter und noch weniger Fahnen zierten die Kurve.
Die Noten zum Spiel
Rukavina: Zeigte kaum Impulse nach vorne und spielte in der Defensive einen soliden Part. Note 4,0
Amedick: Ein großer Unsicherheitsfaktor in der Dortmunder Defensive. Agierte unsicher und leitete so manch eine Bremer-Chance ein. Ein junger Bursche, der momentan völlig von der Rolle zu sein scheint. Note 5,0
Kovac: Agierte langsam und behäbig und kam dadurch kaum in die Zweikämpfe Note 4,5
Buckley: Seine Defensivleistung erfüllte er zufriedenstellend. Setzte jedoch kaum Akzente in der Offensive und beherrscht die Kunst des Versteckspiels auf dem Fußballplatz. Sein Passspiel ist eine reine Katastrophe Note 4,5
Kehl: Spielte solide und unauffällig und konnte viele Wirbelstürme der Bremer im Keim ersticken. Doch wer den Kehl aus alten Tagen noch kennt, kann mit seiner Leistung nicht zufrieden sein. Von seinen alten Leader-Qualitäten ist er noch weit entfernt. Auch er vermochte kaum Akzente in der Offensive zu setzen Note 4,0
Kuba: Aktivster und quirligster Spieler. Zeigte bis zu seiner Verletzung eine klasse Leistung und sorgte für viel Unruhe in der Bremer Abwehr Note 2,5
Federico: Genie und Wahnsinn... - Heute mehr Wahnsinn! Defensive schien für ihn heute ein Fremdwort zu sein. Doch auch nach Vorne brachte er kaum etwas zu Stande. Note 5,0
Petric: Torgefährlich? – Ja, 2 Chance hatte er. Eine 100%ige und einen Freistoß, der an die Latte ging. Ansonsten wirkte er äußerst unkonzentriert. Note 4,0
Valdez: Die pure Einsatzfreude und die totale Harmlosigkeit in einer Person. An alter Wirkungsstätte konnte er den einen oder anderen Angriff schön einleiten, hatte als STÜRMER aber selber keine einzige Chance. Note 3,5
Kruska: Kam nach 44 Minuten für den verletzten Kuba und musste schon in der 65. Minute wieder runter. Taktische Gründe…. Note 5,0
Klimo: ohne Bewertung
Hummels: ohne Bewertung
Stimmen zum Spiel
Thomas Doll: "40 Minuten lang war ich mit meiner Mannschaft sehr zufrieden, dann gab es merkwürdige Entscheidungen gegen uns. In der zweiten Halbzeit haben wir zu wenig investiert und nicht genug entgegengesetzt. Unter dem Strich müssen wir aber mit dieser Niederlage leben und sie möglichst schnell wieder abschütteln."
Doll über Alex Frei: „ Er hatte eine Verhärtung an der Wade, war deswegen ja auch 8 Monate verletzt und wir wollten da kein Risiko eingehen.“
Thomas Schaaf: "Wegen der vielen personellen Umstellungen haben wir uns am Anfang schwer getan und nicht leicht in das Spiel gefunden. In der zweiten Halbzeit hat sich die Mannschaft besser gefunden und die Kombinationen wurden besser. Insgesamt ein Kompliment für meine Spieler, weil sie erneut mit einer schwierigen Situation professionell umgegangen sind."
Hummels: „Wenn das Tor gegeben worden wäre, hätten wir nicht zu Null verloren. Aber ob wir das Spiel dann gewonnen hätten, weiß ich nicht. Mit dem 0:1 zur Halbzeit hätten wir eine super Ausgangsposition gehabt. Aber im Endeffekt nutzt uns das Spekulieren gar nichts. Selbst nach dem 1:0 hätten wir noch gewinnen können, haben aber selbst nicht mehr dran geglaubt. Mit dem 2:0 war das dann wohl gegessen.“
Kehl auf die Frage, ob die Niederlage unglücklich war: „Ja, wenn die erste Halbzeit etwas anders verläuft, dann nimmt man einen Punkt mit. Mit den Chancen und dem nicht gegebenen Tor hatten wir schon Möglichkeiten im Spiel. Wir haben mit guten Kontern die Bremer in Verlegenheit gebracht. Aber wenn man dann ein blödes Gegentor bekommt - was keins war - ist das natürlich doppelt bitter. Nach dem irregulären Tor konnten wir das Fußballspielen ja nicht einstellen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns nicht mehr gut gewehrt, waren nicht mehr so aggressiv in den Zweikämpfen, haben die Bremer spielen lassen. Das haben wir in der ersten Halbzeit wesentlich besser gemacht.“
Zum nächsten Gegner…
„Klar! Das Spiel am Freitag ist ein sehr wichtiges Spiel. Jetzt müssen wir zu Hause unser Heimspiel gewinnen, um auf Kurs zu bleiben.“
Zorc: „Das ist nicht mehr feierlich, was hier mit den Schiris passiert.“
Statistik
Borussia Dortmund:
Marc Ziegler - Rukavina, Amedick, Kovac, Buckley - Kehl - Blaszczykowski ((44. Kruska (66. Klimowitcz)), Tinga - Federico - Petric, Valdez (82. Hummels)
Werder Bremen:
Wiese - Owomoyela (37. Hunt), Mertesacker, Naldo, Boenisch - D. Jensen - C. Fritz, Vranjes (81. Pasanen) - Özil - Klasnic (63. Sanogo), Rosenberg
Tore: 1:0 Rosenberg (45.), 2:0 Rosenberg (63.)
Gelbe Karten: Kovac, Tinga, Petric (BVB) D. Jensen, Mertesacker, Vranjes (Bremen)
Schiedsrichter: Markus Merk (Otterbach)
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
Weitere Fotos vom Spiel folgen in Kürze auf unserer Fotoseite.
Christoph, 02.03.2008
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