Das Schweigen im Kasten
Nach all dem winterlichen Hickhack auf der Torwartposition, steht es fest: das schwatzgelbe Tor wird gehütet von Marc Ziegler. In der Sommerpause als Reservetorwart hinter Roman Weidenfeller geholt, im Pokal mit einer extrem schwachen Leistung in Magdeburg gestartet, in der Liga Roman erfolgreich vertreten (3 Spiele - 3 Siege), wieder zum Bankdrücker zurückgestuft und in der Winterpause offensichtlich nur Lösung 1b hinter Jens Lehmann für den verletzten Weidenfeller - ein stetes Auf und Ab für Ziegler in den letzten Monaten. Ein Auf und Ab, das er mit bemerkenswerter Gleichmut ertragen hat.
Schon nach Weidenfellers Sperre für drei Spieltage und seiner kleinen Erfolgsstory, nahm er ohne zu murren wieder auf der Bank Platz. Ein durchaus bemerkenswerter Zug, angesichts Weidenfellers vorherigen Patzern und seiner drei erfolgreich gestalteten Spiele. Bundesligaprofis im Allgemeinen und Torhüter im Besonderen sind Einzelgänger - Egoisten, die zu allererst auf ihre eigenen Karrieren schauen und sich ungern hinten anstellen. Dennoch verhielt Ziegler sich loyal zum BVB und verzichtete darauf, öffentlich den Vorzug vor Roman einzufordern. Das hat man von vielen Keepern, auch von Weidenfeller, schon deutlich anders erlebt.
Noch viel größeren Gleichmut bewies Ziegler in der Personalposse um die Verpflichtung von Jens Lehmann. Nach Weidenfellers langwieriger Verletzung endlich die Chance, sich langfristig im Dortmunder Kasten beweisen zu können, schien man ihm von Seiten der Verantwortlichen nicht für die optimale Lösung zu halten. Offensiv und öffentlich bewarb man Lehmann und verzichtete sogar auf die branchenübliche Floskelei, dass man Ziegler die Nummer 1 andernfalls auch zutraue. Diese Treueschwüre kamen erst recht kleinlaut, nachdem Arsenals Ersatzkeeper dem BVB endgültig abgesagt hatte und man gezwungen war, Ziegler das Vertrauen zu schenken. Es bedarf nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, wie schwer es ihm gefallen sein muss, diesen Vorgang einfach so zu schlucken. In einem Business, das vor mediengeilen Egomanen nur so wimmelt, verzichtete er aber auf einem Anruf beim Journalisten seines Vertrauens, um sein Leid in den Zeitungen zu klagen.
Das schien die Springerpresse so zu verwirren, dass man ihm ein Zitat andichtete, in dem er äußerte, einem Wechsel auf die bajuwarische Ersatzbank nicht abgeneigt zu sein. Auch davon distanzierte Ziegler sich und vermeldete, diese Aussage nicht getätigt zu haben. Dabei wäre es ihm ein Leichtes gewesen, das Feuer erneut anzufachen und die durch die Absage von Lehmann angeschlagene Führungscrew weiter unter Druck zu setzen.
Vielleicht ist diese Zurückhaltung, der fehlende Wille sich öffentlich und aggressiv selbst zu bewerben, mit ein Grund dafür, dass er sich nirgendwo langfristig als Stammkeeper halten konnte. Im ungünstigsten Falle macht er sich damit schnell selbst zum schwächsten Glied der Kette, das ein Trainer ohne große Konsequenzen befürchten zu müssen, auswechseln kann.
Wie auch immer, Ziegler hat den Borussen einen großen Dienst erwiesen, in dem er die Lage nicht unnötig weiter eskalieren ließ und die Ruhe bewahrt hat. Hoffentlich kann er dieser ruhende Pol auch in der Rückrunde in unserem Kasten sein. Mag man noch Zweifel an seiner sportlichen Leistungsfähigkeit haben, seine Chance hat er sich verdient. Er hat sich unserem BVB gegenüber sehr loyal verhalten und es wäre schön, wenn das Publikum ihm diese Loyalität vergelten würde. Mit unserem Respekt und unserer Unterstützung. Alles Gute, Marc - halt den Kasten sauber.
Sascha - 21.08.2008
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