Trainingslager 2008: Ma, Ma, Ma, Ma, Ma, Marbella!
(Knüppler17) Endlich ist es so weit: die langweilige Winterpause hat ein Ende gefunden und mit ihr die Zeit des riesigen Medienlochs. Vorbei die Zeit, in der aus jeder Blähung eine neue Sensationsmeldung geschustert und fleißig darüber spekuliert wurde, welche Gerüchte wohl als nächstes die Runde machen würden. Vorbei die Zeit, in der sich unsere Presseberichterstatter gegenseitig mit Transfergeschichten übertrumpfen wollten und außer Belanglosigkeiten kaum etwas produzieren konnten. Vorbei die Zeit, in der man sich täglich über die Ankündigung eines Neuzugangs wundern musste, obwohl dieser noch nicht einmal einen Vertrag unterschrieben oder gar eine Entscheidung gefällt hatte. Es geht wieder los!
Rund 130 Fans traten die Reise mit ihrer Mannschaft an und fanden in Marbella hervorragende „Trainingsbedingungen" vor. Angenehme Temperaturen um die 20°, viel Sonnenschein und ein erstklassiges Hotel schufen die Rahmenbedingungen, Jens Lehmann besorgte den Rest. Die Absage des Sympathieträgers und Bravo-Gottes verbreitete sich wie ein Lauffeuer und löste dabei mittelgroße bis riesige Jubelarien aus. Zu oft hatte sich Lehmann als Anhänger des seltsamen Clubs aus Gelsenkirchen geoutet, als dass man sich darüber großartig hätte wundern dürfen - umso besser also, dass diese Entscheidung den Trainingslagerfrieden sichern konnte. Statt einer Menge Frust nun also die „Anti-Lehmann-Party", die an allen Ecken und Enden ihren Lauf nahm und unter größter Beteiligung eine stattliche Zahl an „Ressourcen" verbrauchte.
Analog zu den Fans fanden auch die Profis unserer Borussia beste Bedingungen im Marbella Paradise of Football vor, in dem die Grundlagen für eine hoffentlich gute Rückrunde gelegt werden sollen. Die ersten Eindrücke stimmen dabei recht positiv - die Trainingseinheiten wirken deutlich intensiver und härter als unter Jürgen Röber, neben Kraft- und Ausdauertraining stehen besonders Koordinationsübungen auf dem Programm. Liegestützen, Gymnastik-, Sprint- und Passtraining dominieren,
wütende Schreie Thomas Dolls bei lustlosem Ballgeschiebe inklusive - man kann ganz sicher nicht behaupten, dass die Spieler zu sanft angepackt würden.
Neu im Team Borussia Dortmunds ist Fanbetreuer Sebastian Walleit. Er ist gemeinsam mit Petra Stüker für die Fans vor Ort und freut sich über die hervorragende Stimmung. „Ich finde es klasse, dass so viele Fans mitgekommen sind und der BVB so stark unterstützt wird. Wir haben alle eine Menge Spaß, besser kann es gar nicht laufen. Außerdem bin ich froh, dass ich nach den ersten Tagen der Einarbeitung nun auch den persönlichen Kontakt zu den Fans herstellen kann."
Dass diese Beteiligung alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist, kann man auf den Nebenplätzen gut erkennen. Dort bereiten sich die Nationalmannschaften Nigerias (mit Berti Vogts und Steffen Freund), Sudans und Guineas beinahe unter Ausschluss irgendwelcher Anhänger auf den Afrika-Cup vor. Selbst der große FC Bayern stößt nur auf moderates Interesse. Ganze drei (!) Vertreter der aktiven Fanszene sollen die Reise angetreten haben, rund zwei Drittel der Trainingsbesucher tragen schwatzgelb und zeigen den Großkopferten, wie eine funktionierende Fanszene so aussieht.
Immerhin geben sich die Bayern eine ganze Menge mehr Mühe dabei, realitätsnahe Trainingsbedingungen zu kreieren. Grabesstille beim Training, Werbebanner auf dem Trainingsplatz (!) und der gewohnte Mannschaftsbus bieten den kurz angebundenen Stars das Gefühl, tatsächlich zu Hause zu sein. Der BVB verfolgt offensichtlich eine etwas andere Strategie - so blieb der Mannschaftsbus in Dortmund, während für die beschwerliche Reise ins fünf Minuten entfernte Hotel auf einen gemieteten Bus zurück gegriffen werden muss. Auch Werbebanden sucht man beim BVB vergebens, wohingegen ordentliche Stimmung auf der Tribüne und ein reißender Absatz der Fangetränke in der Kellerkneipe ein „repräsentatives" Bild prägen.
Was Ausflüge angeht, fanden diese bislang nur im kleinen Rahmen statt. Am gestrigen Sonntag machte sich eine Abordnung auf den Weg nach Sevilla, um bei Betis ein Vermögen in Eintrittskarten zu investieren und zudem einen Drittligaground zu kreuzen. Gelohnt hat es sich in jedem Fall, war doch wenigstens das Wetter besser als in Marbella. Dort hatte sich der Himmel im Laufe des Tages ziemlich verdunkelt, bis am Abend endlose Regenfälle einsetzten und die Temperaturen deutlich in den Keller gingen. So wird das Testspiel gegen den SC Paderborn am heutigen Nachmittag zu besten Fritz Walter Bedingungen stattfinden - Rutschpartie, schwerer Boden und Schlammschlacht inklusive. Warten wir mal ab, wie unsere Spieler mit diesen Bedingungen zurechtkommen werden...
Teil 2
Konnte man am Vormittag noch einen kleinen Weltuntergang erwarten, wurden nun die kurzen Hosen ausgepackt - Sonnenschein und angenehmes Wetter hatten die Hoffnung auf einen entspannten Fußballnachmittag geschürt und so richtig Lust auf mehr gemacht. Der am Vormittag noch völlig unbespielbare Rasen war in der Zwischenzeit weitestgehend getrocknet, so dass man von guten Bedingungen sprechen konnte.
Ein kurzer Abstecher zum Bayerntraining auf dem Nebenplatz geriet erneut zum kleinen Volksfest. Deutlich mehr Schaulustige hatten sich an den Spielfeldrand verirrt, die Zusammensetzung des Publikums dürfte genau den Wünschen Uli Hoeneß entsprochen haben - Presse, Familien, Kinder, Anwohner und einige weitere Personen, die man sich als Kunden nur wünschen kann. Die kleine Gruppe aktiver Fans hielt gebührenden Abstand zum Rest und feierte lieber mit den anwesenden Borussen. Probleme gab es dabei keine, kennt man sich doch schließlich seit Jahren von der Nationalmannschaft und dürfte langsam mal verstanden haben, dass keine nennenswerte sportliche Konkurrenz mehr zwischen den Vereinen existiert.
Rund 250 Zuschauer hatten sich zum Testspiel gegen den SC Paderborn verirrt und bekamen ein Spiel geboten, dass man durchaus in die Kategorie „Muss man nicht gesehen haben" einordnen konnte. Ein bisschen Ballgeschiebe in die eine Richtung, dann wieder zurück, dazwischen ein bisschen Mittelfeldgeplänkel und taktische Experimente - ein typisches BVB-Testspiel ohne besonderen Höhepunkte eben. Uns konnte es jedoch egal sein, so dass wir den Kick nutzten, die Landschaft um das Gelände zu erkunden und uns das Gekicke aus eher ungewohnten Perspektiven anzuschauen. Die sehenswerte Umgebung gab dem Spiel einen besonderen Rahmen, den man eben nicht immer haben kann.
Das Spiel an sich ist schnell beschrieben. Nelson Valdez und zwei mal Christopher Nöthe durften sich für die optisch überlegenen Borussen in die Torschützenliste eintragen, den verdienten Ausgleichstreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 gab es kurz nach der Halbzeitpause. Beide Mannschaften gingen engagiert zu Werke und schenkten sich recht wenig, so dass man durchaus von einer ernsthaften Trainingseinheit sprechen konnte. Neuzugang Rukavina gab eine ordentliche Figur ab, der für den verletzten Marc Ziegler spielende Amateurtorwart Marcel Höttecke hielt seinen Kasten beinahe sauber.
Borussia gewann letzten Endes verdient mit 3:1 und hielt sich gegen einen spielerisch eher schwachen Gegner schadfrei, mit Malaga wird am Mittwoch sicherlich ein etwas stärkerer Gegner auf dem Platz stehen. Wieso das Spiel jedoch erst am Abend angepfiffen werden muss, an dem es selbst in Spanien empfindlich kalt werden kann, ist nicht direkt verständlich - offensichtlich will da jemand mit seinen Eintrittskarten ein größeres Geschäft machen (die Rede ist von bis zu 30 Euro). Doch bis es so weit ist, werden wir noch ein paar Trainingseinheiten bewundern und den ein oder anderen Ausflug reinschieben können - am Dienstag ist in Gibraltar ein Erstligaspiel angesetzt...
Teil 3
Der dritte Teil des diesjährigen Trainingslagertagebuchs beginnt im weitesten Sinne mit einer kleinen Richtigstellung: Zu Beginn des Textes war zu lesen, dass nur drei Fans aus der aktiven Fanszene des FC Bayern nach Marbella gereist seien - das ist jedoch nicht ganz richtig. Fakt ist, dass am ersten Trainingstag nur drei Fans in Marbella waren, mittlerweile aber rund 25 bis 30 aktive Fans des FC Bayern hier angekommen sind. Diese Zahl ist eher klein, da der FC Bayern kein Testspiel in Spanien bestreiten wird und einige Fans aus diesem Grund lieber die Amateure begleiten wollten.
Selbst wenn es sich bei dieser Korrektur nur um eine Kleinigkeit handelt, wollen wir doch keine falschen Vorwürfe erheben und die Verhältnisse möglichst wahrheitsgemäß wiedergeben - das beinhaltet natürlich auch eine weitere Randbemerkung, die den geneigten Leser zum Nachdenken bringen könnte. So fiel es Münchener und Dortmunder Fans gleichermaßen auf, dass die Spieler des großen FC Bayern immer wieder mit Sticheleien und Schmähgesängen begrüßt wurden - interessanterweise oftmals von denjenigen, die sich anschließend an das Training als erste für ein Foto mit den „Drecksbuyern" in Schale warfen oder diese auf BVB-Trikots Autogramme schreiben ließen. Ob Fronnnnnnck Buckley vielleicht mehr Tore schießt? Man weiß es nicht...
Der Dienstag stand ganz im Zeichen touristischer Ausflüge. Eine Gruppe Fans zog es nach Cordoba, ihres Zeichens eine der größten Städte Andalusiens und europäische Kulturhauptstadt 2016. Voller Erwartungen ging es in die ehemalige Metropole, wusste man doch um die geschichtliche Bedeutung und zahlreichen Mythen, die sich um die Stadt rankten. Statt umwerfender Prachtbauten prägten aber eher Bauruinen das Bild, statt prunkvoller Säle im Königspalast gab es leere Steinkammern zu sehen - angesichts der Tatsache, dass die halbe Stadt als Angelpunkt christlicher, jüdischer und islamischer Religionsgeschichte unter Weltkulturerbe steht und Christopher Columbus in dieser einst die Erlaubnis für seine Fahrt nach Indien einholte, waren die Eindrücke eher ernüchternd.
Mehr Glück hatten andere Reisegruppen, die sich zum ersten, zweiten oder dritten Mal ins nahe gelegene Gibraltar aufmachten, um die grandiose Aussicht zu genießen oder mal so richtig gemütlich die Seele baumeln zu lassen. Als Zugabe zum guten Wetter wurde ein Erstligaspiel am Fuße des Felsens geboten, bei dem auch einige Duisburger Ultras gesehen worden sein sollen - wie durch ein Wunder gab es auch diesmal keine Probleme zwischen den Fangruppen, da man sich entweder verstand oder einfach aus dem Weg ging.
Am Abend stand eine größere Geburtstagsparty auf dem Programm - die Fangruppierung The Unity wurde sieben Jahre alt und sollte selbstverständlich angemessen gefeiert werden. Angesichts von bis zu 600 Euro für eine Flasche Sekt und 6 Euro für ein kleines Heineken („Bier haben wir nicht, wir haben aber Heineken...") wurde die Party jedoch ein paar Minuten verschoben und in eine gemütliche Kneipe verlegt, in welcher der Abend dann so langsam ausklang.
Während der eine Teil der Partygesellschaft in ein nahe gelegenes Keramikmuseum weiterzog (Eintritt 5 Euro), blieb eine Hand voll Partylöwen noch ein wenig länger vor Ort und unterhielt sich mit einigen zufällig angetroffenen Bayernfans über deren Erlebnisse im Trainingslager. „Schön, dass wir so gut klar
kommen und wie normale Menschen miteinander reden können. Wir sind alle aktive Fans, haben alle die gleichen Probleme und haben mit den Schlackern alle die gleichen Feinde. Scheißegal, ob wir den Titel gewinnen, Bremen oder der HSV - so lange es die nicht schaffen, ist die Welt für uns in Ordnung." Die konnten einem zeitweise ja fast sympathisch sein, diese asozialen „Lasst-mich-bitte-mit-aufs-Foto" Drecks-Buyern...
Nur einige wenige Fans konnten sich am Mittwoch zum Besuch des Vormittagstrainings aufraffen, da der gesteckte Zeitrahmen keinen besonders großen Spielraum zuließ - schon um 13 Uhr sollten zwei Busse die anwesenden Fans von Marbella nach Malaga bringen, wo am Abend ein Testspiel gegen den spanischen Zweitligaspitzenreiter angesetzt war. Die Kosten für die Busse hatte Borussia Dortmund übernommen, um den Fans ein gemütliches Spiel ohne den Stress einer eigenen Anfahrt ermöglichen zu können: ein herzliches Dankeschön an die Verantwortlichen für diese nette Geste!
In Malaga angekommen, wurden die nächsten Stunden bei Fleischspießen („Los Spießos") und Fangetränken in einer nahe dem Stadion gelegenen Kneipe verbracht. Gemeinsam ging es dann zum Ticketschalter, an welchem es eine Abzocke größeren Ausmaßes zu umgehen galt: Eintrittspreise zwischen 10 und 30 Euro wurden dort verlangt, wobei für den Gästebereich selbstverständlich nur die Karten zu 30 Euro angeboten wurden. Mit Zeitungsgutscheinen und dem offiziellen Ausweichen auf den Nachbarblock (es gab ja ohnehin keine Blocktrennung) ließen sich die Karten aber auf einen Preis von 5 Euro drücken - da machte die Preisgestaltung natürlich gleich so richtig Sinn...
Das beinahe komplett leer stehende Stadion mit endlos weiten Flächen hatte sich zum Zündeln hervorragend angeboten - zu Spielbeginn wurden deshalb von einigen Fans bengalische Fackeln abgebrannt und anschließend auf den Boden geworfen. Ohne auf die Frage nach Sinn, Unsinn oder Legalität der Aktion eingehen zu wollen, muss man zwei Dinge festhalten: einerseits bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr für Besucher oder Bausubstanz, andererseits erinnerte das Eingreifen der Polizei eher an einen misslungenen SEK-Einsatz als an zweckmäßiges Verhalten.
Zwei Fans wurden aus der Menge herausgegriffen, des Stadions verwiesen und zur Abschreckung jeweils mit Strafandrohungen bis zu 2000 Euro konfrontiert - dass diese Fans überhaupt nichts mit den Fackeln zu tun hatten und sich ihr Vergehen ganz allein auf das Trinken eines mitgebrachten und zu diesem Zeitpunkt nicht verbotenen Dosenbiers (!) beschränkte, spielte keine Rolle. Nach und nach wurden einzelne Fans aus der Menge gefischt und penibel kontrolliert, die Druckkulisse immer weiter verstärkt - hätte nicht ein deutsch-spanischer BVB-Fan zwischen Fanbeauftragten und Polizisten vermittelt, hätte der Abend für alle anwesenden Fans sehr unschön verlaufen können.
Aus Protest gegen die maßlos überzogene Vorgehensweise der Polizei wurden sämtliche Zaunfahnen abgehängt, ebenso verließen zahlreiche Fans das Stadion zur Halbzeitpause. Selbst als neutraler Beobachter musste man sich darüber wundern, wie offensiv und willkürlich die Polizisten vorgingen - sie versuchten nicht einmal die richtigen Personen zu finden, sondern griffen sich einfach die nächstbesten Fans und bestraften diese stellvertretend für alle anderen.
Im Ergebnis blieb es totenstill im Gästebereich, während sich die Blicke der Dortmunder Ersatzspieler von der Bank immer wieder auf das Geschehen im Block richteten. Der Stimmungsblock Malagas umfasste knapp 40 Fans, ansonsten hatten sich inklusive einiger Münchener rund 250 weitere Fans im Stadion verteilt. Für das winzige Publikum war die Stimmung recht ordentlich, das einzige Tor des extrem langweiligen Spiels fiel direkt nach Spielbeginn und wurde von keinem so richtig wahr genommen.
In der zweiten Halbzeit gab es auf beiden Seiten ein paar Lattentreffer zu verzeichnen, ansonsten passierte eigentlich überhaupt nichts. Borussia schaukelte das müde 1:0 über die Runden und gewann damit das „Endspiel" um die 25. Trofeo de Malaga - Kapitän Christian Wörns nahm den Pokal entgegen, bekam ihn allerdings aufgrund dessen umwerfender Größe nicht hoch. Der unglaubliche Europapokalsieg wurde am Abend zwar gefeiert, doch ließen es die meisten Fans nach einem ereignisreichen Tag eher ruhig angehen.
Teil 4
Wiederum konnten sich nicht allzu viele Fans aufraffen, als es um den Besuch des letzten Trainings ging - dieses war am frühen Vormittag, aus Fansicht nennen wir es mal mitten in der Nacht, angesetzt worden. Mehr als Auslaufen gab es dann auch nicht zu sehen, so dass Ausschlafen sicherlich nicht die schlechteste aller Entscheidungen gewesen sein dürfte. Immerhin sollten ja nun zwei Tage ohne Verpflichtungen mit maximaler Party bevor stehen...
Nach ordentlicher Vorglüherei auf der Dachterrasse ging es am Abend zuerst zur großen Schlagerparty auf „Bude 106". Von „Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner" über „Ich bin dein Co-Pilot" bis hin zu „Wir ham Mallorca überlebt" wurden dort sämtliche schweren Geschütze aufgefahren, die das Niveau zum Weinen unters Bett krabbeln ließen. Doch Geschmäcker sind nun mal verschieden und Sultan Suff wollte es mit seinen Freunden so richtig krachen lassen - also wurde anschließend an das Trommelfellmassaker die Symbiosysbar aufgesucht, in der wie schon an den Abenden zuvor völlig schmerzfrei alle Stimmungshits und Superknaller zum besten gegeben wurden, die der gemeine Fan so hören wollte. Yeee-Ha!
Bei diesem Festival der Liebe und riesengroßen Feuerwerk der guten Laune fiel es nicht jedem leicht, frühzeitig ins Bett zu gehen. Dennoch mussten auch Opfer gebracht werden, da am Freitag noch ein letztes Mal so richtig Kulturtourismus angesagt war. Während das Partyvolk ganztägig Dachterrasse, Meer und Symbiosysbar um hörenswerte Klänge bereicherte, zogen andere Fans einen Trip in die Altstadt Marbellas, den Yachthafen Puerto Banus oder die Berglandschaft bei Tarifa vor. Zwei wackere und langhaarige „Gotteskrieger" hatten darauf keine allzu große Lust - sie zogen den Länderpunkt Marokko vor und machten sich bereits am frühen Morgen zur Fähre nach Algeciras auf.
Von dort aus ging es in rund dreistündiger Fahrt ins marokkanische Tanger. Unser „Reiseleiter" Mustapha („In Tanger ich bin Coca Cola. Jeder kennt Mustapha.") führte uns sehr kurzweilig durch die Stadt und zeigte so ziemlich jede Ecke, die man mal gesehen haben sollte. Angefangen von Obst- und Fleischmärkten über den aus fünf Grabsteinen unbekannter Menschen bestehenden deutschen Friedhof („Ganz besonderen Ort für dich") bis hin zu Casbah und den berühmten Felsen am Stadtrand war wirklich alles dabei. Nicht fehlen durften selbstverständlich ein Teppichhändler mit traditioneller Teppichdemonstration („Für dich besondere Preis Teppich aus echt Seide. 2000 Euro, zahlen mit Plastik Fantastik. Du kannst auch Teppich bestellen, wir schicken mit Post ohne Steuer und Zoll."), ein Silberschmuckladen („Echt Silber. Berber bekannt weltweit für Silber, kommen aus Atlasgebirge und Saharien. Berber ist 90 Prozent in Marokko, Araber 10 Prozent. Aber Araber nix gute Mensch, nur Ärger."), eine originale Berberapotheke („Ist wie Viagra, aber nicht wie Viagra. Ist besser und macht dich ganze Nacht rammel rammel.") und das Hotel Continental, in dem einst der Kinohit Casablanca gedreht und Humphrey Bogart verehrt wurde (siehe Beweisfoto an der Wand!).
Selbst ein Highlight aus fußballtechnischer Sicht konnte uns Mustapha noch bieten. Einige wenige kurze Gespräche und ein kleines Trinkgeld reichten aus, schon stand das Stadion de Marchan für eine Besichtigung offen. Komplett aus Stein und ohne nervige Sitzschalen, vom Architekten des alten Wembleystadions geplant und mit dem Charme eines richtig alten Stadions ausgestattet, bot es uns den ein oder anderen nostalgischen Augenblick. Wirklich schade, dass der Neubauwahn selbst Tanger erreicht hat und nun außerorts ein neues Stadion für bis zu 69000 Zuschauer gebaut werden muss.
Spätabends ging es wieder mit der Fähre zurück nach Algeciras und Marbella, am frühen Samstagmorgen stand schließlich der Rückflug nach Dortmund auf dem Programm. Es endete ein Trainingslager, das so ziemlich alles beinhaltete, was man sich so wünschen konnte - Testspielsiege, Europapokaltriumph, verrückte Aktionen, Trainingseinheiten mit Fangetränken und lockeren Gesprächen, Party ohne Ende und haufenweise unvergängliche Erinnerungen. Vielen Dank an alle Beteiligten, die diese Woche Urlaub zu einer ganz besonderen Woche gemacht haben - wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!
BVB-News
11.05.12
Amas gegen Bochum - der Live Ticker ist dabei
10.05.12
Berlin ist schwatzgelb - Gastautoren gesucht
09.05.12
Infos von der PK aus dem Westfalenstadion


