Mission Flügel stutzen

Adler sind tolle Tiere. Als Könige der Lüfte beeindrucken sie mit majestätischen Bewegungen, stehen für Stolz, Macht und herrschaftlichen Anspruch. Während sie am Himmel jedoch als unumstrittene Gebieter gelten – zumindest bis sie die Bekanntschaft eines Düsentriebwerks machen – sinken Macht und Einfluss proportional zur Flughöhe beträchtlich. Am Boden angekommen, agieren sie denn auch etwas unbeholfen. Und sind, nebenbei bemerkt, ein zunehmend schlechtes Wappentier für Fußballmannschaften. Der österreichischen Nationalelf zumindest hat das Federvieh auf ihrem Jersey nie wirklich Glück gebracht, die deutsche Auswahl holt sich bei ihren Auftritten ebenfalls zunehmend blutige Schnäbel und auch die Eintracht aus Frankfurt wird den Attributen ihres Wappentiers im letzten Jahrzehnt immer weniger gerecht.

Zugegeben: Noch Anfang der 90er war die Eintracht ne ziemlich große Nummer. Mit Yeboah, Bein, Gaudino, Binz, Okocha und Co. zauberten sich die Rotweißschwarzen über Deutschlands und sogar Europas Fußballplätze und sorgten so für eine letzte Renaissance des Traditionsclubs vom Riederwald. Dann kam Jupp Heynckes, später die Zweite Liga, noch später der Fahrstuhl. Aus dem einstigen Spitzenclub der Liga wurde allmählich ein Pendler zwischen den Fußballwelten, der sich immer mal wieder aus der Bundesliga verabschieden musste – zumindest immer dann, wenn keine Schützenhilfe vom Verbandsadler nebenan kommen konnte.

Vom einstigen Image, dass dem Verein so lustige Beinamen wir „Launische Diva“, „SG Lizenzbetrug“ oder das springereske „Zwietracht Zankfurt“ eingebracht hatte, hat sich die Eintracht, nicht zuletzt unter Mithilfe der eigenen Mannschaft, inzwischen allerdings ein wenig lösen können, und schreibt nunmehr fast ausschließlich sportliche Schlagzeilen. Die SGE würde einem beinahe so bieder erscheinen, wie die Konzerne, mit denen sie sich die Stadt teilt, gäbe es in den Reihen der Eintracht mit Heribert Bruchhagen nicht jemanden, der zielsicher immer mal wieder ein Mikrophon findet, in das er seine Weltsicht plärren kann. „Neururer-Gen“, nennt man das wohl, denn wie Gelsenkirchens Tanzschulen-Schreck, gibt auch Bruchhagen zuhauf Antworten auf nie gestellte Fragen.

Eine gewisse Cleverness kann man den Verantwortlichen der Eintracht allerdings nicht absprechen. In weiser Voraussicht haben sie dem Adler ein Stadion mit verschließbarem Dach bauen lassen. Das mag zwar durchaus seine Tücken haben, macht sich in Zeiten von Vogelgrippe und Stallpflicht für das Federvieh allerdings mehr als bezahlt.

Doch zurück zum Sportlichen. Nachdem die Eintracht in der Hinrunde für einige Furore sorgte und mit sechs wunderschönen Toren die Größenwahntruppe des Blaukrauts einnorden durfte, geht den Frankfurtern im Endspurt offenbar ein wenig die Puste aus. Der Klassenerhalt ist nach Kaiserslauterns Ausgleich vom Mittwoch noch immer nicht im Sack, und wenn man auf Nummer sicher gehen will, müssen in den nächsten beiden Spielen noch mindestens zwei Punkte her. Schließlich weiß kaum einer besser als die Frankfurter, dass am letzten Spieltag wirklich alles passieren kann.

Nicht zuletzt deswegen sind es 7000 Eintrachtfans, die sich voraussichtlich auf den Weg in die Bierstadt machen werden und damit eines der größten Gästekontingente in dieser Saison für das Westfalenstadion abgenommen haben. Und es spricht vieles dafür, dass sie ihre SGE auch lautstark unterstützen werden, gelten doch die Frankfurter seit längerem als DER Maßstab, was die Unterstützung der eigenen Mannschaft angeht. „Die Besten Fans der Liga“, so sagen manche, auf jeden Fall sollte es aber ein Ansporn sein für uns, das Westfalenstadion akustisch zu verteidigen und gleichsam unsere Mannschaft zum Sieg zu schreien.

Der ist nämlich eigentlich Pflicht, denn die Frankfurter stehen in der Tabelle nicht nur deutlich unter der Borussia und wir haben zudem auch noch einiges aus dem Hinspiel wieder gutzumachen. Nein, die Frankfurter pfeifen obendrein personell so ziemlich aus dem letzten Loch. Mit Wiedener, Preuß, Jones, Chris, Chaftar und Rehmer fallen schon sechs Spieler gesichert aus, mit Huggel und Spycher sind zwei weitere fraglich, so dass Friedhelm Funkel sich ein bisschen was einfallen lassen muss. Die Variante aus dem Lauternspiel, von einer Vierer- auf eine Dreierkette umzustellen, sollte dabei jedoch keine Rolle spielen. Erstens wusste diese Option schon am Mittwoch nicht zu überzeugen und zweitens wäre sie gegen die drei Borussenstürmer wohl schlicht zu riskant.

Obwohl man ketzerisch behaupten könnte, dass die Eintracht durchaus auch mit nur zwei Verteidigern auskäme, sollte sich der BVB ähnlich präsentieren wie unter der Woche in Hannover. Denn im Vergleich zum Gastspiel in der niedersächsischen Landeshauptstadt, verlangt wohl nicht nur Bert van Marwijk eine deutliche Steigerung. Zu schlecht war das Borussenspiel dort vor allem in der ersten Hälfte gewesen. Um in den UI-Cup zu gelangen, muss sich das Team jedenfalls auch gegen die geschwächten Frankfurter ungleich mehr anstrengen. Eine solche freche Darbietung wie gegen 96 darf am Samstag schlichtweg nicht passieren, denn das war einfach unwürdig für eine Mannschaft mit diesen Ambitionen – Michael Zorc und der Trainer dürften das dem Team allem Vernehmen nach aber recht deutlich klargemacht haben. Auch dass sich erneut nach einem gewonnen Spiel die Selbstzufriedenheit breit macht, daran glaubt der Trainer nicht. Die Mannschaft wisse ja, dass sie schlecht gespielt habe, so sein Kommentar. Hoffentlich behält er Recht.

Immerhin die Auftritte von Gentenaar und Rosicky haben in Hannover wirklich Lust auf mehr gemacht und geben Anlass zur Hoffnung für das Spiel am Samstag– wenngleich es natürlich schöner wäre, wenn zumindest Gentenaar am Wochenende einen ruhigeren Arbeitstag verleben könnte.

Rein vom Personal her sieht es beim BVB jedenfalls wieder rosiger aus. Zwar hat es sich der DFB nicht nehmen lassen, höchstpersönlich für Spielpraxis seiner Nationalspieler zu sorgen, und Christian Wörns für vier Spiele gesperrt. Dafür steht zum Glück aber wieder Markus Brzenska zur Verfügung, dessen Gelbsperre beendet ist. Ansonsten sind beinahe alle Stammspieler an Bord, lediglich auf Weidenfeller und Ricken muss Bert leider weiterhin verzichten.

Um noch in den UI-Cup einzuziehen, ist ein Sieg jedenfalls ohne Wenn und Aber Pflicht, ansonsten hätte es die Borussia schlichtweg auch nicht verdient, in der kommenden Saison um den Einzug in den UEFA-Cup zu spielen. Wollen wir also hoffen, dass es den Schwatzgelben am Samstag gelingt, den Adler einzufangen und punktlos in die heimische Voliere zurückzuschicken.

Aufgepasst, Ihr seid gefragt!

VOR dem Spiel, rüstet Euch bittet mit allem, was schwatzgelb ist und zum Wedeln taugt. The Unity hat erneut für das letzte Heimspiel zum Flagday aufgerufen und bittet alle BVB-Fans, die Südtribüne in ein gelbes Fahnenmeer zu verwandeln. Mehr dazu hier. VOR, WÄHREND und NACH dem Spiel, wäre es nett, wenn Ihr Euch das Anstellen an der Becherrückgabe spart und Eure Becher stattdessen den Helfern der Fanabteilung in die Hände drückt, die diese als Spende für das Borusseum.  Außerdem raten wir allen aus dem Süden kommenden zu einer zeitigen Anreise. Da auch viele Frankfurter über die Sauerlandlinie anreisen werden, könnten A45 und B54 schnell voll sein.



Geschrieben von Arne