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schwatzgelber Saisonrückblick - 15.02.2008

Saison 1971/72: Der Absturz ins Bodenlose

Das BVB-LogoNach den ganzen Ab- und Zugängen ging es für den BVB nur um den Klassenerhalt. Aber am Ende stellte sich heraus, dass diese Jugendmannschaft in der obersten Liga einfach überfordert war. Und auch die Hoffnung, dass genug Vereine wegen des Bundesligaskandals mit einem Zwangsabstieg bestraft werden, bewahrheitete sich nicht. Am Ende stand der Absturz in die Regionalliga.

Am 01.Juli begrüßte Trainer Witzler insgesamt 10 (!) neue Spieler: Horst Bertram (Kickers Offenbach), Karl-Heinz Heinke (Arminia Bielefeld), Siegfried Köstler (SV Welver), Reinhold Mathes (Spfr. Siegen), Dieter Mietz (Wattenscheid), Wolfgang Przygodda (VfB Lünen 08), Alfons Sikora (VfB Altena), Jürgen Wilhelm (SV Oberlahnstein), Walter Hohnhausen (Rot-Weiß Essen) und Friedel Mensink (Bremerhaven 93). Damit war die BVB-Mannschaft mit einem Durchschnittsalter 23 Jahren das jüngste BVB-Aufgebot in der neunjährigen Bundesligazugehörigkeit.

Um die Sommerpause zu überbrücken und um ein paar Mark zu verdienen, nahm der BVB an der Intertoto-Runde teil. In der ersten Runde empfang Borussia den polnischen Erstligaabsteiger Row Rybnik. Das Spiel ging mit 1-2 verloren. Eine Woche später klappte es durch einen Treffer von Ritschel mit einem 1-0-Sieg gegen Atvidaberg FF. Im ersten Auswärtsspiel musste Dortmund dann zu Wacker Innsbruck fahren und man verlor mit 2-3. Die Vorrunde wurde schließlich mit einer 0-2-Heimniederlage gegen den FC Aberdeen abgeschlossen.

Aufgrund anhaltender Kritik an seiner Einkaufspolitik und vor allem wegen Kommunikationsprobleme mit Trainer Witzler erklärte Spielausschussobmann Helmut „Jockel“ Bracht am 23.07. seinen Rücktritt. Er wollte gleichwertigen Ersatz besorgen, schaffte dies aber nicht. Trainer Witzler war deswegen zurecht sauer. Als der Druck zu groß wurde, trat er zurück.

Und auch im Intertoto-Cup sah es nicht gut aus. Nachdem der BVB bei Atvidaberg FF mit 5-2 verloren hatte, kassierte man auch bei Row Rybnik eine Niederlage (2-1). Das einzige Gute zu dieser Zeit war, dass Jürgen Schütz beim BVB bliebt. Vor dem abschließenden Intertoto-Cup-Spiel gab es noch ein Freundschaftsspiel beim VfL Werne, das der BVB mit 6-3 gewan. Das letzte Intertoto-Cup-Spiel zuhause gegen Wacker Insbruck konnten die Borussen ausgeglichen gestalten. Durch Tore von Weinkauff (2) und Hattenberger erreicht man ein 3-3. und belegt nur den letzten Platz in der Gruppe mit 3-9-Punkten und 10-15-Toren.

Dann begann endlich die Bundesligasaison. Leider auch gleich ernüchternd, denn man verlor nach guter Leistung mit 2-1 beim MSV Duisburg. Zwar ging man mit 1-0 in Führung, aber vier Minuten vor dem Ende erzielt Budde den Siegtreffer für die Zebras.

Eine Niederlage gab es auch vor dem Arbeitsgericht Dortmund. Willi Neuberger hat gegen seinen Vertrag geklagt, weil er nach seiner Auffassung nicht rechtens war. Das Gericht sah es ebenso und Neuberger konnte zu Werder wechseln. Zwar legte der BVB sofort Berufung ein, allerdings mit wenig Chancen auf Erfolg. Besser lief es auf dem Platz. Borussia konnte im Heimspiel gegen den Tabellenführer HSV ein 1-1-Unendschieden erreichen. Eine Pleite gab es für die Dortmunder beim Auswärtsspiel in Köln, welches die Schwarzgelben mit 1-2 verloren. Dank eines Hattrick von Jürgen Schütz konnte der BVB das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mit 3-1 gewinnen. Im Anschluss gab es das Duell BVB gegen Werder Bremen, dem neuen Verein von Willi Neuberger. Und Neuberger, der mit einem gellenden Pfeifkonzert empfangen wurde, erzielte auch einen Treffer bei der 1-5 Niederlage der Borussen. Es sei erwähnt, dass alle ehemaligen BVB-Spieler bei Werder einen guten Tag hatten. Auch die Reise nach Gelsenkirchen brachte keinen Erfolg. Dortmund verlor verdient mit 1-0. Endlich wieder einen Sieg gab es beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Dank eines Treffer von Köstler gewann die Not-Elf (es fehlten Weinkauff, Ritschel, Kurrat, Rieländer und Schütz) mit 1-0. Auswärts aber setzte sich die Negativserie vor. Bei Hertha BSC Berlin verloren die Borussen mit 1-2, zum vierten Mal auswärts mit einem Tor Unterschied. Die Hoffnung lag in den Heimspielen. Zwar ging der BVB zweimal gegen Braunschweig in Führung, aber die Eintracht erzielte jeweils kurz danach den Ausgleich. An Ende gab es ein unbefriedigendes 2-2.

 Bei einer Reise ins Mutterland des Fußball machte der BVB zwei Freundschaftsspiele. Gegen den FC Aberdeen verlor man knapp mit 1-0 und gegen Oldsham Athletic gab es ein 0-0. Beim Bundesligaspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen gab es endlich ein kleines Erfolgserlebnis. Endlich mal wieder auswärts einen Punkt. Dank Rieländer, der 5 Sekunden vor Schluss traf, erreichen die Dortmunder in Oberhausen ein 1-1. Dies setzten die Borussen gleich gegen die Gladbacher Borussen fort und spielten zuhause 0-0. In Lautern dann kam der BVB ganz schön unter die Räder. Nach einem Zwischenstand zur Halbzeit von 0-0 gewann der FCK noch mit 6-0. Dazu kam, dass in der 70. Minute Bücker die Rote Karte sah. Ein  „Geisterspiel“ gab es dann beim Heimspiel gegen Arminia Bielefeld. Die Ostwestfalen, deren Abstieg wegen des Bundesligaskandals praktisch schon feststand, verloren mit 1-0. Die Niederlage beim VfL Bochum (2-4) war keine Überraschung. Denn nach der Verletzung von Henke, saß nur noch Ersatztorwart Bertram auf der Bank. Zu allem Überfluss kassierte Köstler in der 85. Minute eine rote Karte. Die Verletzungsmisere spitzte sich weiter zu, zwischenzeitig gab es acht Spieler, die ausfielen. Somit ging es dann mit dem allerletzten Aufgebot nach Stuttgart zum VfB. Leider zeigte der BVB keine bundesligareife Vorstellung und verlor klar mit 0-4. Selbst bei den Freundschaftsspielen konnte der BVB nicht gewinnen. Beim TuS Eving-Lindenhorst gab es ein 1-1 und beim Bremerhaven 93 ein 3-3.

Bei der Generalversammlung des BVB ersetzt der 3. Vorsitzende Herbert Sandmann den bisherigen Spielausschussobmann Helmut Bracht. Drei Tage später gab es schließlich den absoluten Tiefpunkt für die Borussen, beim FC Bayern kassieren die Borussen die bislang höchste Bundesliganiederlage. Am Ende heißt es 11-1. Trainer Witzler dazu: „13 Jahre bin ich jetzt Trainer, aber so eine Katastrophe habe ich noch nie erlebt.“ In der 1. Runde des DFB-Pokal müssen die Borussen zum Regionalliga Süd-Tabellenführer Kickers Offenbach reisen. Dank eines Eigentor des Offenbacher Meyer rettet der BVB ein 1-1 und kann auf das Wiederholungsspiel setzen. Die Dortmunder feierten dieses Ergebnis nach den letzten Niederlagen wie einen Sieg. Beim letzten Bundesligaspiel im Jahr 1971 kommt der BVB nicht über ein 1-1 beim Tabellenletzten Hannover 96 heraus. Die Hinrunde beenden die Borussen auf Platz 15 mit 11-23-Punkte und 17-43-Tore. Auch im DFB-Pokal muss der BVB die Segel streichen. Das Heimspiel gegen den Regionalligisten Kickers Offenbach verloren die Dortmunder klar mit 0-3. Der BVB war dem Angriffswirbel der Offenbacher hilflos ausgeliefert und die Oberhausener führten die Dortmunder vor. Um die Pleite komplett zu machen, verlieren die Borussen ein Freundschaftsspiel gegen Rot-Weiß Essen klar mit 1-4. Nach dem Spiel mehren sich die Gerüchte, dass Trainer Witzler entlassen werden soll. Am 20.12. werden die Spieler in den Urlaub geschickt (bis zum 02.01.1972). Ein Tag später steht fest, dass Witzler seinen Hut nehmen darf. Nachfolger wird der Ex-Sch*lker Herbert Burdenski.


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