Die Saison 2009/2010 - Spielerbewertungen - das Mittelfeld (II)
Mit dem Spiel in Freiburg beendete der BVB eine erfolgreiche Saison 2009/2010. Man ließ Mannschaften wie Stuttgart, den HSV oder Wolfsburg hinter sich und belegte in der Endabrechnung Platz 5 - Europapokal. Klar, das ist das Ergebnis der ganzen Mannschaft und ein toller Erfolg. Trotzdem haben einige Spieler mehr, andere weniger zu diesem Erfolg beigetragen. Es gab Auf- und Absteiger. Spieler, denen vor der Saison niemand so wirklich den Durchbruch zugetraut hätte und andere, auf deren Durchbruch man leider vergeblich wartete. Wie unterschiedlich dabei die Eindrücke sein können, zeigen unsere Bewertungen. Jeweils 3 Redakteure haben sich die einzelnen Spieler vorgenommen und ihre Saisonleistung bewertet.
Hajnal
-mrg: Tamas Hajnal verlebte eine eher enttäuschende Saison bei Borussia. Bis zu seiner Verletzung zeigte er eher schwache Spiele und verlor dann seinen Stammplatz an Zidan, der die Rolle sehr erfolgreich ausfüllte. Nach seiner Genesung gab es so recht keinen Platz mehr für ihn und Klopp experimentierte mit eher mäßigen Erfolg. Auch nach Zidans Verletzung konnte Hajnal auf seiner angestammten Position nicht überzeugen und so bleibt am Ende nur eine glatte 4 stehen.
kha: Wenn es einen Verlierer der Saison gibt, dann ist das wohl der kleine
Ungar. War er in der letzten Saison noch unumstrittener Stammspieler,
war auch er im Verlaufe der Saison Opfer der Systemumstellung die
ausgerechnet wegen seiner langwierigen Verletzung erforderlich wurde. So
fand er nach seiner Genesung nie wieder ins Team zurück und konnte bei
seinen Einsätzen als Ersatzspieler kaum überzeugen. Note: 4
Arne: Die Saison des Tamas Hajnal ist es wirklich nicht gewesen. Mitte der Hinrunde verletzt, sollte es bis weit in die Rückrunde dauern, dass der Ungar mal wieder von Beginn an auflaufen durfte. Aus dem bevorzugten Raute war in der Zwischenzeit ein 4-2-3-1-System gefunden, indem Hajnal seine Position nicht richtig finden mochte. Auf der defensiven Position deutlich im Schatten von Sahin, Bender und Kehl stehend, lief im auch im offensiven Mittelfeldpart Mohamed Zidan den Rang ab. Und das war im Grunde nur folgerichtig, denn wirklich überzeugen konnte Hajnal in dieser Spielzeit bei keinem seiner Auftritte. Und so steht zu erwarten, dass der durch die Verpflichtung Lewandowskis und Kagawas noch einmal erhöhte Konkurrenzdruck ihm in der kommenden Saison zum endgültigen Verhängnis werden könnte. Denn eines steht fest: Tamas Hajnal müsste sich deutlich steigern, um den Weg zurück in die Stammelf zu finden. Für die abgelaufene Spielzeit gibt's von mir die Note 4,5.
Kevin Großkreutz
MalteS: Er kam sah und siegte – auf ganzer Linie. Technische Defizite machte der Kilometerfresser mit purer Willenskraft wett, rannte wie kaum ein anderer Borusse. In Hoppenheim waren es bemerkenswerte 13,5 Kilometer, die der Dortmunder Junge zurücklegte. Seitdem war er entgegen aller Erwartungen Stammspieler und erledigte seine Aufgaben auf links zwar nicht immer perfekt, doch meist zuverlässig und mit hohem Aufwand. Trotz der Tore für unsere, für seine Borussia wird die unerwartete Berufung in die Nationalelf für das Spiel gegen Malta wohl der persönliche Highlight für Kevin gewesen sein, wo er – natürlich – ebenfalls direkt zu überzeugen wusste. Wir dürfen gespannt sein, ob es dem Evinger gelingt, seine positive Entwicklung in der nächsten Saison fortzusetzen. In dieser gibt’s die Note 3,0.
kha: Absoluter Gewinner der Saison. Kam als Ergänzungsspieler aus Ahlen und
wohl kaum jemand hatte erwartet, das er am Ende der Saison zum
Stammspieler werden sollte. Sein Durchbruch war wohl das Spiel in Köln,
als er in der Nachspielzeit das so wichtige 3:2 erzielte und war seit
dem von der linken Seite nicht mehr wegzudenken. Steigerte sich im
Verlaufe der Rückserie, so das die guten Leistungen und die fünf Tore
sogar eine Nomierung (auch wenn es nur für ein Testspiel war) für die
Nationalmannschaft brachte. Note 2
DvB: Ich war richtig erstaunt über unseren Trainer. Denn wie man einem jungen, aufstrebenden Kicker den Sprung von der zweiten in die erste Liga erleichtert, das zeigte in dieser Saison unser Trainer Jürgen Klopp perfekt am Beispiel Kevin Großkreutz. Hätte am Anfang der Saison niemand damit gerechnet, dass der Dortmunder Jung' mehr als 50 Bundesligaminuten in dieser Spielzeit bekommt, so hatte Klopp wohl von Anfang an mit ihm geplant. Kurzeinsatze von wenigen Minuten am Anfang der Saison zeigten, dass Großkreutz ziemlich motiviert aber auch ungestüm war. In Leverkusen spielte der BVB-Jungprofi dann seine erste Halbzeit. Und überzeugte. Sein oft überhastetes Spiel bekam er immer mehr in den Griff. Irgendwann stand er dann in der Anfangself. Und gegen Nürnberg traf er dann zum ersten Mal für den BVB. Kevin Großkreutz schoss wichtige Tore, nicht das 4:0 in der 89. Minute. Das wichtigste war sicherlich das 3:2 in Köln Sekunden vor Schluss. In der zweiten Saisonhälfte war Großkreutz sogar so was wie ein Leistungsträger. Und am Ende der Saison dann die Krönung: Sein erstes A-Länderspiel gegen Malta. Kevin Großkreutz hat in dieser Saison im Wahnsinnstempo das geschafft, wofür viele andere zwei bis drei Jahre brauchen. Nämlich zu einem gestandenen Bundesligaprofi zu reifen. Auch wenn er ab und zu auch etwas schwächere Spiele zeigte, gibt es trotzdem von mir eine 1,5.
Markus Feulner
-mrg: Anfang dieser Saison wechselte mit Markus Feulner der nächste Mainzer zum BVB. Er kam mit der Empfehlung von 15 Toren und 20 Assists die er größtenteils in Liga 2 gesammelt hatte. Leider konnte er in der abgelaufenen Saison kein weiteres statistisches Pünktchen hinzugewinnen. Generell sagt die Statistik ansich alles aus, Feulner wurde in seinen 9 Ligaspielen für den BVB 8 mal eingewechselt und einmal ausgewechselt, dazu kommen noch 2 Einwechselungen im DFB Pokal und zwei Spiele für den Nachwuchs. Wirklich überzeugen konnte er nirgends und so empfahl er sich nicht für weitere Aufgaben. Wenn Feulner beim BVB nochmal glücklich werden will, muss da einfach mehr kommen. Diese Saison gibt es einfach nur ein ausreichend. 4
web: Markus Feulner wurde in Dortmund freudig empfangen. Ein vielseitig einsetzbarer Mittelfeldspieler, zweikampfstark aber auch mit offensiven Qualitäten. Mit 7 Toren und 16 Vorlagen der überragende Zweitligaspieler der Saison 08/09. Zudem hatte er in Mainz schon mit Jürgen Klopp zusammengearbeitet. Leider erwies sich wieder einmal, dass der Schritt von der zweiten in die erste Bundesliga für viele Spieler sehr groß ist. Feulner fand nie einen Weg in die Stammelf und wenn er sich einmal zeigen durfte, blieb er weitgehend blass. Nach einer für ihn verkorksten Hinrunde verletzte er sich noch und kam erst in der Endphase der Saison zu einigen Kurzeinsätzen. Auch in zwei Drittligaspielen konnte er nicht sonderlich auf sich aufmerksam machen. Feulners Saison war enttäuschend für alle Seiten und kann nicht mehr mit ausreichend bewertet werden. Er hat angekündigt nächste Saison nochmal beim BVB anzugreifen, hoffentlich kann er sich dann eine bessere Note als 5,0 erarbeiten.
Arne: Im Grunde die Frage der Saison: Warum eigentlich wurde Markus Feulner
verpflichtet? Sage und schreibe 149 Bundesligaminuten durfte der Mainzer
Neuzugang bei seinen neuen Partien absolvieren. Zum Vergleich: In der
dritten Liga reichten zwei Einsätze über 90 Minuten, um das zu toppen.
Ein wohl auch für den Spieler selbst mehr als frustrierendes Fazit, denn
Feulner saß selbst dann noch draußen auf Bank oder Tribüne, wenn im
Mittelfeld die Personalnot am größten war. Zu bewerten war da nicht
wirklich was.
Sven Bender
Sascha: Wer ihn zu Saisonbeginn bei den Amas gesehen hat, hätte kaum für möglich gehalten, dass er sich als echtes Schnäppchen für den Profikader entpuppen würde. War zur Stelle, als mit Kehl, Tinga und Feulner die geplanten Sechser ausfielen und zeigte im Mittelteil der Saison mit Sahin ganz starke Leistungen. Die Raum- und Rollenverteilung klappte bestens. Intuitiv ließ er Sahin so viel Platz, dass der sein Offensivpotential voll entfalten konnte, war aber gleichzeitig immer nah genug dran, um ihm in der Defensive den Rücken frei zu halten. Hatte leider immer wieder mit Verletzungen und Blessuren zu kämpfen. Noch ist Kehl der Platzhirsch auf seiner Position, aber wenn Bender seinen Weg konsequent weitergeht, hat er das Zeug zu dessen Nachfolger. Sein Timing im Zweikampf ist schon jetzt richtig gut, ihm fehlt, aufgrund seines Alters, verständlicherweise noch die Fähigkeit, ein Spiel mit Willen umzubiegen. Für eine ordentliche 3 reicht es aber locker.
MalteS: Der nächste Senkrechtstarter der Saison. Als talentierter
Perspektivspieler im Tausch gegen Antonio Rukavina gekommen, durfte er
schneller ran, als gedacht. Das schien ihn allerdings wenig zu
beeindrucken, gab er sich doch wirklich souverän und abgeklärt. Neben
Sahin übernahm er den eher defensiven Part der „Sechs“ und hielt dem
offensiveren Türken mit starkem Zweikampfverhalten und Stellungsspiel
den Rücken frei. Wusste dabei das ein oder andere mal aber auch in der
Offensive zu überzeugen. An dieser Stelle muss man Susi auch einmal zu
diesem Glücksgriff gratulieren. Ein wahrhaft effizienter Tausch, deshalb
die Note 2,5.
Jakob: Im Sommer wechselte ein unauffälliger Ergänzungsspieler vom TSV 1860 München nach Dortmund. Dachten viele, doch Jürgen Klopp hatte größeres mit ihm vor. Er schenkte ihm am sechsten Spieltag das Vertrauen und nominierte ihn für die Startelf. Fortan entwickelte sich Sven neben Nuri Sahin mehr und mehr zur Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld und bestach dabei durch ein hohes taktisches Verständnis und eine sehr gute Spielübersicht. Gepaart mit einer guten Passgenauigkeit war der kongeniale Partner für Nuri Sahin gefunden und Sven somit mehr als nur Ersatz für den verletzten Sebastian Kehl. Mit Sven Bender vor der Abwehr erlangte die Dortmunder Defensive eine neue Stabilität. Im November erlitt er einen Muskelfaserriss und erst jetzt wurde ersichtlich, wie wichtig er mittlerweile für diese Mannschaft war. Im März verletzte er sich erneut (Sehnenentzündung), was ihn zurück warf. Danach folgte ein kleines Zwischentief und gegen Ende der Saison blieben seine Leistungen unterhalb der Messlatte, die er selbst durch seine tollen Leistungen im ersten Teil der Saison, auf diese Höhe gelegt hatte. Bleibt festzuhalten: Sven Bender hat an dieser Bundesliga-Saison (vor allem aufgrund der ersten Saisonhälfte)mit gutem Erfolg teilgenommen.
Redaktion, 22.06.2010
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