Tag der Arbeit oder Tanz in den Mai?
"Alles neu macht der Mai", so verspricht es uns jedenfalls das altes Sprichwort und kündet davon, dass sich im Wonnemonat Mai all das zum Guten wendet, was die trüben Wintermonate über ganz und gar nicht prachtvoll war. Sportlich gedeutet hieße das: Siege müssen her, wenn Borussia bis zum Saisonende die Chancen auf den sechsten Platz und den UI-Cup wahren will. Doch ob das Spiel in Hannover eher ein Tag der Arbeit oder ein Tanz in den Mai wird, bleibt bei der zuletzt wechselhaften Spielweise abzuwarten.Dabei stehen die Chancen auf einen fröhlichen Tanz in den Mai für uns nicht schlecht. Spiele gegen 96 sind eigentlich ein Garant für Tore, denn noch nie in ihrer gemeinsamen Ligazugehörigkeit trennten sich die Roten und Schwatzgelben mit einem 0:0. Dazu ist das mittlerweile umgebaute Niedersachsenstadion immer wieder für einen Auswärtsdreier gut. Denn Hannover konnte diese Saison erst vier Mal zuhause einen Sieg feiern und gegen den BVB gab es sogar in den letzten sieben Heimpartien keine drei Punkte zu holen.
Was bleibt auch anderes, wenn sich Spieler wie Thomas Brdaric selbst ins Abseits stellen. „Als Stürmer hast du so eine Geilheit, das Tor zu schießen. Deshalb ist ein 4:4 mit vier eigenen Toren wichtiger als ein Sieg der Mannschaft“, gestand er unlängst am „Lügendetektor“ der Zeitschrift RUND.
Dass ihm Dienstag keins von beidem vergönnt sein wird, dafür hat in erster Linie die BVB-Abwehrabteilung Sorge zu tragen, in der Christoph Metzelder Dienstag vermutlich erstmals seit längerem den Vorzug vor Markus Brzenska erhält. Dessen Pause dürfte jedoch auch nicht allzu lang andauern, denn wenn es nach den Wünschen der DFB-Ankläger geht, darf sich Christian Wörns schon nach dem Spiel bei den Niedersachsen in den verlängerten Sommerurlaub verabschieden. Sein Einreihen in die Ellbogengesellschaft wird am Donnerstag vor dem Sportgericht verhandelt und könnte eine Sperre sowohl für das Saisonende als auch für den Beginn der kommenden Spielzeit bedeuten. Dass Wörns überhaupt noch dazu kommen wird, die Angriffsbemühungen der 96er zu vereitelt, sorgte für einigen Unmut bei… na wem wohl? Genau, Gelsenkirchens Antwort auf Fred Astaire: dem Neururerschen.
Ansonsten füllen sich bei der Borussia die Reihen allmählich wieder. Zwar ist Marc-André Kruska nach seiner fünften gelben Karte aus dem Nürnberg-Spiel gesperrt, doch mit Sebastian Kehl, der dieselbe Sperre gerade abgesessen hat, steht sein „Vertreter“ schon wieder in den Startlöchern. Bleibt noch Tomas Rosicky, der nach kurierter Erkältung ebenfalls wieder auf der Matte stehen könnte. Sollte seine Nominierung für die Anfangself schon möglich sein, müsste wahrscheinlich Sahin, vielleicht aber auch Philipp Degen die „Fünf gegen Eins“-Aufwärmrunde der Reservisten komplettieren. Da sich der Maifeiertag aus schwatzgelber Sicht nur durch Tore verlängern lässt, ist gegen 96 aber vor allem der Sturm gefragt, sich endlich wieder seiner ureigenen Aufgabe zu besinnen. Mangels Alternativen wird Bert hier wohl auf die bewährten (?) Kräfte zurückgreifen. Denn eins wollen wir auch im Mai nicht sehen: wie Peter Neururer vor Hannovers Tribünen sein Tänzchen abhält.
Für jemanden wie mich, die im Einzugsgebiet der Roten lebt, haben Spiele gegen Hannover noch einen weiteren, ganz persönlichen Reiz – fernab von Intertoto-Cup oder Peterchens Tanzschule und sicherlich völlig unverständlich für den Rest Fußballdeutschlands. Dieser liegt jedoch mitnichten darin begründet, wenigstens einmal in der Saison ein „Heimspiel“ quasi vor der eigenen Haustür zu haben, sondern schlicht und einfach im natürlichen Revierverhalten. So kann ich gut damit leben, wenn mein Bäcker, mein Tankwart, ja sogar mein Steuerberater sich als Hannoverfan entpuppen, doch wenn sogar die einzige Arbeitskollegin, mit der ich mich über Fußball unterhalten kann, eine Rote ist, kommt zweimal im Jahr schon ein Funke Rivalität auf und es geht um mehr als nur ein Spiel zweier Mannschaften. Da gab es wunderbare Momente, als Borussia mit den Roten ein 6:2 Schützenfest im Westfalenstadion veranstaltete oder das Regenspiel im Niedersachsenstadion, das ähnlich deutlich gewonnen wurde. Auf der anderen Seite finden sich Spiele wie das Pokal-Aus 2004, als Ewerthon in Hannover das Elfmeterschießen verweigerte verlernte oder aber die 2:0 Pleite aus dem Hinspiel dieser Saison. Höchste Zeit also, das Pendel mal wieder zurückschlagen zu lassen und mir die hausinterne Tabellenführung zurückzuholen.
Denn obgleich wir in den vergangenen Jahren so manches geteilt haben - ich ihren Frust über drastisch verteuerte Eintrittspreise, die ein Auswärtsspiel in Wolfsburg preiswerter werden ließen als den heimischen Stehplatz, sie meine schwatzgelben Finanzsorgen und Existenzängste – an Tagen wie Dienstag ist das vergessen. Mittwochmorgen möchte ich diejenige sein, die triumphierend zur Tür herein kommt, während sie sich bemüht, meinem hämischen Grinsen aus dem Weg zu gehen.
Doch dafür liegt es jetzt an der Mannschaft, das Hannoveraner Frühlingsfest ins Stadion zu verlegen und mit Toren in den Mai zu tanzen.
Voraussichtliche Aufstellungen
Borussia: Gentenaar - Degen (Kringe), Metzelder, Wörns, Dede - Kehl, Rosicky, Kringe (Sahin) - Odonkor, Smolarek, Buckley
Sechsundneunzig: Enke - Cherundolo, Mertesacker, Zuraw, Tarnat - Balitsch, Lala - Yankow, Schröter (Delura) - Stajner, Brdaric
Schiedsrichtergespann: Dr. Fleischer (Hallstadt), Michael Sahler, Walter Hofmann und Stefan Lupp
Weitere Informationen
- Dede verlängert seine Liebe… ähm, seinen Vertrag mit Borussia bis 2011 und sagt damit Lars Ricken in Punkto Vereinstreue den Kampf an. Wir finden: Das ist spitze! - Bert van Marwijk steht als Nachfolger von Guus Hiddink bei PSV Eindhoven im engeren Auswahlkreis, will seinen Vertrag beim BVB aber erfüllen, so Präsident Rauball im DSF. Zudem soll im Sommer ein Gespräch über eine vorzeitige Vertragsverlängerung stattfinden. - Ebenfalls verlängern möchte der BVB mit Christoph Metzelder, der wiederum aber lieber abwarten möchte, wie sich seine persönliche Situation in Dortmund und bei der WM entwickelt.
Hinweis zur Anreise
Die Polizei und Hannover 96 bitten die Besucher der Partie gegen Borussia Dortmund eindringlich ohne das eigene Auto anzureisen. Auf dem Schützenplatz stehen aufgrund des Frühlingsfestes sowie dem dazugehörigen Schaustellerlager keine öffentlichen Parkplätze zur Verfügung. Dortmunder Fans, die mit dem PKW in die niedersächsische Landeshauptstadt fahren, sollten die P+R Plätze an der Stadtgrenze ansteuern und auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, zumal die Eintrittskarten zur kostenlosen Nutzung von Bussen und Bahnen berechtigen.
(Quelle: Reviersport)
Geschrieben von Ramona
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