Und da waren es schon fünf
Durch einen 2:0-Arbeitssieg gegen den SV Schermbeck konnte die BVB-Zweitvertretung ihre Tabellenführung am gestrigen Mittwoch auf nunmehr fünf Zähler in der Oberliga Westfalen ausbauen. Nach einer katastrophalen Leistung in der ersten Halbzeit steigerte sich das Team im zweiten Durchgang und gewann letztlich verdient durch Tore von Uwe Hünemeier und Salvatore Gambino.Innerhalb von nur vier Tagen hat sich die BVB-Zweitvertretung einen Vorsprung von fünf Punkten auf Verfolger Verl erspielt. Nachdem man bereits am Sonntag gegen Fichte Bielefeld einen souveränen 3:1-Erfolg einfahren konnte und Verl beim 2:2 gegen Emsdetten patzte, siegte die Elf um Coach Theo Schneider auch im Nachholspiel des 27. Spieltages mit 2:0 gegen den SV Schermbeck. Ursprünglich war die Partie für Ostermontag geplant, musste aber kurzfristig aufgrund massiver Regenfälle abgesagt werden. Auch heute gab es vor dem Anpfiff einige Schreckenssekunden, da der Mannschaftsbus der Schermbecker auf der A2 im Stau stecken geblieben war – das Spiel begann wie schon gegen Lotte mit einer Verspätung von 15 Minuten.
Gambino & van der Gun in der Startelf
Obwohl mit Jörn Neumeister und Michael Parensen zwei Stammkräfte fehlten, konnte BVB-Coach Theo Schneider nahezu seine Wunschelf aufs Feld schicken. Der Sturm wurde in Person von Salvatore Gambino und Cédric van der Gun gar komplett von der Profiabteilung gestellt. Mit Mehmet Akgün und Kosi Saka auf den Außen, sowie Sammy Caliskan in der Spielmacherrolle waren die Borussen insgesamt sehr offensiv ausgerichtet. Doch was das Team den fast 600 Zuschauern, darunter der gesamte Trainerstab um Bert van Marwijk in der ersten Hälfte bot, war eine absolute Katastrophe. Wahrscheinlich sind wir aber auch nach den Spielen gegen Gütersloh, Lotte und Bielefeld einfach zu verwöhnt. „Das war einfach zu wenig, da muss man einfach mehr erwarten. Auch wenn es mal nicht so läuft darf man sich einfach nicht verstecken. Gerade in solchen Phasen muss man sich zeigen und muss versuchen das Spiel zu drehen.“, zeigte sich BVB-Trainer Theo Schneider zu Recht verärgert über die Leistung seines Teams in der ersten Halbzeit um im gleichen Atemzug Ursachenforschung zu betreiben: „Wir haben heute im Vergleich zu den letzten Spielen den Biss vermissen lassen. Ich habe in der Mannschaftssitzung noch davor gewarnt, dass dies hier heute kein Selbstläufer wird. Wir müssen dort weitermachen, wo wir in den letzten Wochen aufgehört haben. Dies war aber heute überhaupt nicht der Fall.“ Denn bis auf zwei Weitschüsse von Gambino (35.) und Caliskan (40.) sowie einem harmlosen Kopfball von Uwe Hünemeier, den SV-Keeper Stefan Schröder problemlos parieren konnte (38.), konnte man die ersten 45 Minuten getrost vergessen. Nicht wenige rieben sich aufgrund der enttäuschenden Leistung ihres Teas verwundert die Augen und auch Theo Schneider konnte sich den Leistungsabfall seiner Schützlinge nicht wirklich erklären: „Ich weiß auch nicht, worauf ich die Leistung zurückführen kann. Sicherlich standen die Schermbecker sehr gut, aber wir haben keine Mittel gefunden, um uns entscheidende Möglichkeiten herauszuspielen.“
Katastrophale erste 45 Minuten
In der Tat zeigte sich die komplette Mannschaft gegen eine sehr defensiv eingestellte Schermbecker Mannschaft, die sich nur auf das Zerstören der Borussenangriffe beschränkte, erschreckend ideenlos. Vor allem im Mittelfeld fehlten die nötigen Ideen um das Schermbecker Abwehrbollwerk zu knacken. Anstatt über die Außenpositionen mutig nach vorne zu spielen, wählte oft den Umweg über die Abwehr. Wurde dann doch einmal der Weg über die Außenbahnen gesucht, so landeten Flanken fast ausschließlich beim Gegner. Wirkliche Gefahr für das Schermbecker Tor war eher die Ausnahme. Theo Schneider reagierte zur zweiten Halbzeit und brachte für die schwachen Heitmeier und Saka mit Marcel Großkreutz und David Solga zwei frische Spieler fürs Mittelfeld. „Entscheidend war sicherlich auch, dass Marc Heitmeier heute überhaupt nicht ins Spiel gekommen ist und durch seine Fehlpässe Verunsicherung ins Spiel gebracht hat, so dass auf einmal keiner auf dem Platz war, der Verantwortung übernommen hat. Vielleicht ist es aber auch so, dass die Chance, heute erstmalig mit fünf Punkten Vorsprung die Tabelle anzuführen, ein bisschen gehemmt hat.“, so Trainer Schneider nach dem Spiel zu den Auswechslungen von Heitmeier und Saka.
1:0 durch Uwe Hünemeier
Direkt nach Wiederanpfiff gab es dann den ersten Schock für den BVB. In der 46. Minute tauchte der Schermbecker Stürmer Björn Backe frei über links vor Sören Pirson auf, konnte den Ball allerdings nicht ins Tor unterbringen. Trotzdem unfassbar, wie sorglos die komplette Abwehr in dieser Szene agierte. Ein früher Rückstand hätte die Aufgabe gegen einen derart defensiv spielenden Gegner umso schwerer gemacht. Im direkten Gegenzug sollte in der 48. Minute die Erlösung für die schwatzgelben nahen: Nach einem Freistoß von der linken Seite, stieg Uwe Hünemeier am höchsten und köpfte den Ball am verdutzten SV-Keeper Schröder in die Maschen. Einen großen Anteil am Torerfolg hatte allerdings der Schermbecker Schlussmann, der den Ball falsch einschätzte und letztlich grandios an diesem vorbeiflog. Den Borussen war es jedenfalls egal, war ein frühes Tor für das Selbstvertrauen doch so unglaublich wichtig. Von nun an bestimmte der BVB das Spielgeschehen, allerdings ohne dabei zu glänzen. Viel wichtiger war jedoch, dass man sich endlich die lang ersehnten Torchancen erspielte. Wie zum Beispiel in der 55. Minute, als Mehmet Akgün den Ball nur knapp am Tor vorbeisetzte oder in der 58. Minute als es erneut Uwe Hünemeier war, der nach einer Flanke von Nico Hillenbrand frei zum Kopfball kam, diesmal allerdings nur äußerst knapp das Tor verfehlte. Die Borussen kamen nun deutlich besser ins Spiel, was nun auch von den Zuschauern honoriert wurde. Auch Theo Schneider zeigte sich mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden: „In der zweiten Halbzeit haben wir durch die Wechsel eine ganz andere Mannschaft gesehen, welche dann auch von Beginn an das Heft in die Hand genommen hat. Wir haben viel konsequenter in den Zweikämpfen agiert und letztlich auch den von mir geforderten Biss erkennen lassen.“ Vor allem, wenn sich die beiden Außenverteidiger Hillenbrand und Kohlmann mit ins Offensivspiel mit einschalteten wurde es oft gefährlich. Dazu kam auch Salvatore Gambino immer besser ins Spiel, nachdem Gambino wie auch van der Gun in der ersten Halbzeit völlig abgetaucht war. So hatte Gambino in der 65. Minute seine erste richtige Möglichkeit. Nach einem Freistoss von Sammy Caliskan, kam der Ball zu Gambino, der dann auch gleich drei Schermbeckern seine technischen Fähigkeiten demonstrierte, indem er diese wie Slalomstangen stehen ließ, nur letztlich den Ball nicht richtig traf, so dass dieser doch deutlich neben das Tor ging.
Vorentscheidung durch Gambino
In der 71. Minute machte es Gambino besser: Nach einem Freistoss von Nizamettin Caliskan war es Gambino, der etwa zehn Meter vor dem Tor dem Ball die entscheidende Richtungsänderung gab, so dass dieser über dem Schermbecker Schlussmann zur 2:0 Vorentscheidung einschlug. Vorentscheidung deshalb, weil die Schermbecker den Westfalen in dieser Phase absolut nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Um die Dortmunder Abwehr heute über einen längeren Zeitraum ernsthaft in Bedrängnis zu bringen, dafür agierten die Schermbecker einfach nicht clever genug, von den vielen technischen Fehlern einmal ganz zu schweigen. So beschränkte sich der BVB letztlich nur noch darauf, das Ergebnis locker über die Zeit zu bringen. Zumindest mit der gezeigten Leistung in der zweiten Hälfte zeigte sich der BVB-Coach dann doch noch zufrieden: „Nach dem 1:0 haben wir dann ordentlich gespielt. Es war heute sicherlich kein schönes Spiel – in der zweiten Halbzeit eher ein Arbeitssieg. Mit der zweiten Halbzeit konnte man durchaus zufrieden sein. Vielleicht war es auch wichtig, dass einige erkannt haben, dass nicht alles von alleine geht und man sich alles immer wieder neu erarbeiten muss.“ Mit Sicherheit ein sehr schönes wie auch sehr treffendes Schlusswort.
Fazit
Auch wenn es wohl eines der schlechtesten Spiele des BVB in der der Rückrunde war, letztlich kommt es nur auf das Ergebnis an. Und genau das stimmte am gestrigen Abend. Wieder einmal konnte man gestern deutlich erkennen, dass sich das Team nach wie vor sehr schwer gegen sehr defensiv agierende Gegner tut. Vor allem in der ersten Halbzeit wurde einfach zu wenig investiert, um die Schermbecker Abwehr wirklich ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Hätte der Schermbecker Barke dazu kurz nach der Pause die bis dahin größte Chance des Spiels zur Gästeführung genutzt, so wäre es noch einmal ganz schwer geworden. So kam die 1:0-Führung gerade zum rechten Zeitpunkt - zum einen um sich das nötige Selbstvertrauen für die zweite Halbzeit zu holen und andererseits um die Hoffnung des Gastes auf einen möglichen Punktgewinn, gerade in Anbetracht der Großchance durch Björn Barke zu schmälern. Von daher sollte man die gestrige Partie am besten recht schnell vergessen, denn bereits am Sonntag ist die Zweitvertretung von LR Ahlen ab 15 Uhr zu Gast im Emscherstadion Holzwickede. Gerade in Anbetracht des Spitzenspiels am 07. Mai gegen Verl sollte man darauf bedacht sein, die gute Ausgangsposition nicht unnötig zu verspielen.
Spielstatistik
BVB II: Pirson – Hillenbrand, Hünemeier, Heitmeier, Kohlmann – Seggewiß, Saka, Akgün – Caliskan – van der Gun, Gambino
Wechsel: Marcel Großkreutz für Marc Heitmeier (46.), David Solga fr Kosi Saka (46.) und Marcus Steegmann für Cédric van der Gun (81.) Tore: 1:0 Uwe Hünemeier (48.), 2:0 Salvatore Gambino (71.) Gelbe Karten: Caliskan, Hünemeier / Zepanski
Schiedsrichter: Daniel Buschjost (Reichshof) mit Stephan Greb und Phillip Konrad Zuschauer: 575 im Emscherstadion Holzwickede
Geschrieben von Tommy
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