Sven Bender - Der unsichtbare Stratege
Nach ganzen 11 Einsätzen, in denen er unbesiegt blieb, sollte Sven Bender ausgerechnet in seiner Heimat das erste Mal erfahren, wie sich einen Niederlage in der Fußball-Bundesliga anfühlt – und das gegen kein geringeres Team als den Rekordmeister FC Bayern München. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Sechser mit diesem unglaublichen Null-Niederlagen-Lauf aufgetrumpft und damit den ein oder anderen Experten überrascht. Mit ihm als Defensivstabilisator und Dirigent vor der Abwehr eilte die Borussia von Vollgasveranstaltung zu Sieg. Und der 20-Jährige Rosenheimer besitzt tatsächlich einen nicht unwesentlichen Anteil an den guten Leistungen des gesamten Teams.
Sven Bender, der der Jugend des TSV Brannenburg (in der Nähe von Rosenheim) entstammt und als Jugendlicher auch bei der SpVgg Unterhaching das Fußballspielen erlernte, machte bereits 2003 mit 13 Jahren einen großen Schritt und wechselte zum damaligen Bundesligisten TSV 1860 München. Und es lief gut für den eineiigen Zwillingsbruder von Lars Bender (mittlerweile bei Bayer Leverkusen): Mit der U17-Mannschaft gewann der Nachwuchsspieler das Finale um die Deutsche Meisterschaft 2006 – ausgerechnet gegen Borussia Dortmund - und gewann die bronzene Fritz-Walter-Medaille vom DFB. Aufgrund seiner starken Leistungen holte ihn der damalige Trainer Walter Schachner sogar in den Profikader.
Auch wenn der Mittelfeldspieler zunächst noch vorrangig die U23 in der Regionalliga Süd verstärkte, deutete er auch schon in der Spielzeit 2006/07 im Profifussball sein Potential an. Folgerichtig gab der 12 Minuten jüngere Bender-Zwilling gegen den FC Augsburg im Dezember 2006 vor heimischer Kulisse sein Debüt. Aufgrund der überzeugenden Einsätze in 2. Liga und Regionalliga (16 Einsätze, 1 Treffer), offerierten die verantwortlichen 1860er dem jungen Talent im weiteren Verlauf einen 4-Jahresvertrag bis ins Jahr 2011. Auch sie hatten trotz der unauffälligen Spielweise sein riesiges Potential erkannt. Immerhin folgten bei den Sechzigern 65 Einsätze, wobei ihm ein Tor gelang.
Auch in den DFB-Auswahlmannschaften profilierte Bender sich. Die schwarzgelbe Nummer 22 holte bei der U17-Europameisterschaft 2006 den vierten Platz, zwei Jahre später reichte es für ihn mit der U19 sogar für den Titelgewinn unter Coach Horst Hrubesch.
Schon 2009 folgte dann im Tausch mit Antonio Rukavina der Wechsel in den Ruhrpott, wo Bender zunächst von kleineren Blessuren zurückgeworfen wurde. Sein erstes Spiel für den BVB verzögerte sich aus diesem Grund etwas. Dennoch hatte sich der Juniorennationalspieler einiges vorgenommen. „Ich möchte erfolgreich Fußball spielen, mich entwickeln und viel lernen. Außerdem will ich mich schnell in Dortmund einleben und meinen Platz in der Mannschaft finden.“
Am 19.09. (welches Datum könnte schöner sein?) war es schließlich soweit, Bender durfte gegen Hannover 96 von Beginn an ran, auch weil Sebastian Kehl, der eigentliche Leader auf dieser Position, wieder einmal für längere Zeit verletzt passen musste. Nachdem der wiedergenesene Bender zuvor nur in Testspielen und in der zweiten Mannschaft zum Einsatz gekommen und schon leise Kritik an dem Transfer eines weiteren Mittelfeldspielers geübt worden war, erkämpfte sich Bender mit seinen Leistungen rasend schnell das Vertrauen seines Trainers Jürgen Klopp. Und das zurecht. Strategisch, geschickt, durchdacht und stabilisierend – alles Attribute, die die schon so reif wirkende Spielweise von Bender charakterisieren. Nicht nur Nuri Sahin profitiert deutlich von seinem Nebenmann. Das ganze Team präsentiert sich mit ihm in zentraler Mittelfeldrolle stabiler und spielt strukturierter. Einiges erinnert bei Bender dabei auch an Sebastian Kehl, den Kapitän, der für das Spiel von Jürgen Klopp ein strategischer Eckpfeiler war. Die Theorie, der junge Bender habe einen großen Anteil an dem Erfolg der Borussia, scheint nicht allzu weit hergeholt. Zuletzt wurde diese sogar untermauert: Als Sven Bender verletzungsbedingt passen musste, verlor der vorher so gut aufgelegte BVB sofort gegen den VfB Stuttgart und die Eintracht aus Frankfurt.
Mittlerweile ist Bender wieder zurück. Und schon gegen die übermächtigen Bayern präsentierte sich die Mannschaft wieder ganz anders als in den beiden Spielen zuvor. Spielt Bender weiterhin eine so gute Rolle als Defensivpart der Doppelsechs, kann der BVB noch einiges erreichen in dieser Saison. Die nächsten 11 Spiele ohne Niederlage können also folgen.
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