Die WM geht los – zumindest bei eBay

Kaum hallten die ersten Jubelgesänge durch die bundesdeutschen Fußballforen, schon waren die ersten WM-Tickets bei der weltgrößten Internetauktionsplattform eBay zu ersteigern. Ein Thema, das uns sicherlich bis zum Abpfiff des Finales 2006 verfolgen wird.


„Ich bin beruflich in Kanada“ – dümmer könnten die Ausreden, die von den ersten Kartenverkäufern in den Artikelbeschreibungen genannt wurden, nicht sein. „Ich will mit der WM einen schnellen Euro machen“, wäre wohl ehrlicher gewesen. So tummelten sich also schon am Freitagabend die ersten Angebote im Netz. Dies lockte auch sofort die Spaßbieter an. „Mika8833“ steigerte mit, was das Zeug hielt. Schnell wurde klar, dass dieser eBayer nicht bereit war wirklich 10.000 Euro für ein paar Eintrittskarten hinzulegen. Seine Gebote wurden umgehend von den geschäftstüchtigen Verkäufern gelöscht und das so schnell, dass man davon ausgehen kann, dass sich eine Allianz der Verkäufer gebildet hatte, die untereinander vor diesem „Spaßbieter“ warnten. Zum Stichwort „untereinander“: Es dürfte eine recht hohe Dunkelziffer bestehen, von Karten, die zwar mit Hilfe von eBay verkauft werden, dort aber gar nicht offen auftauchen. Denn kaum gibt man ein eigenes Gebot auf eine Karte ab, schon hagelt es Angebote in den elektronischen Postkasten: „Sie interessieren sich für WM-Tickets in Dortmund? Habe Top Karten der Kategorie 2 anzubieten. Wenn sie Interesse haben, machen Sie mir ein Angebot. Ich sichere Ihnen eine zuverlässige Abwicklung (Umschreiben der Karten, Zusendung etc.) zu!“


Zumindest diese Geschichten werden eBay selbst sehr interessieren und dort wird man sicherlich die geeigneten Mittel nutzen, die in solchen Fällen Ausschluss vom Handel bedeuten. Aber was macht eBay sonst „dagegen“? Gegenüber schwatzgelb.de verweist eBay lapidar auf eine brandneue Pressemitteilung mit folgendem Inhalt: „Gemäß unserem Verständnis von eBay als Marktplatz werden wir den Handel mit Tickets für die Fußballweltmeisterschaft 2006 oder von Bezugsrechten für diese Tickets nicht untersagen“. Weiter übt eBay Kritik an der Vorgehensweise des DFB: „Ob diese Regelungen mit dem geltenden Recht vereinbar sind, ist bislang nicht abschließend geklärt und wird widersprüchlich beurteilt. Kritiker des Weiterveräußerungsverbots von WM-Tickets halten diese Regelungen für unwirksam aufgrund der Verletzung Verbraucher schützender Normen.“

Natürlich stellt sich eBay nicht dagegen, man verdient ja auch nicht schlecht daran. Alleine beim Verkauf hält das Auktionshaus die Hand auf und kassiert fünf Prozent des Kaufpreises (max. 50,50 Euro). Dass eBay, den Verkauf von Karten für die WM 2006 zum jetzigen Zeitpunkt zulässt, mag nicht gegen geltendes Recht verstoßen, sehr wohl aber gegen die eigenen „Grundsätze für das Einstellen von Artikeln“ wörtlich: „Der Anbieter muss in der Lage sein, die angebotenen Waren dem Käufer unverzüglich nach Vertragsschluss zu übereignen.“
Dies ist beim direkten Verkauf der Tickets nicht gegeben, da diese erst sechs bis acht Wochen vor der Veranstaltung an die Besteller ausgegeben werden. Eine erneute Anfrage bei eBay in dieser Sache blieb bislang unbeantwortet.

eBay hat Recht, wenn sie sagen: „Grundsätzlich ist der Wiederverkauf von Tickets in Deutschland nicht gesetzlich verboten. Es ist daher falsch, den Wiederverkauf von Tickets insgesamt als illegalen Schwarzhandel zu bezeichnen“, aber wenn es ums Geldverdienen geht, werden die eigenen Grundsätze scheinbar schon einmal über den Haufen geworfen.

Kommen wir aber nun von eBay einmal weg und überlegen, was passiert wenn Karl Müller aus Hamburg nun seine Karten an Herbert Schmitz aus München verkauft hat und Karl Müller nun beim WM OK eine Umschreibung des Bezugsrechtes auf Herbert Schmitz haben möchte. In den Geschäftsbedingungen dort heißt es: „Weder der Ticketinhaber noch irgend jemand sonst ist berechtigt, das Ticket oder die sich aus diesem ergebenden Rechte ohne vorherige schriftliche Zustimmung des OK an dritte Personen zu übertragen. Das OK wird seine Zustimmung nur aus sachlichen Gründen verweigern. Die Zustimmung kann insbesondere dann verweigert werden, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Ticketinhaber oder der Dritte (...) die Weiterveräußerung des Tickets beabsichtigt.“ Der DFB ist zwar manchmal dumm, aber nicht ganz dusselig. Daher warnt OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt in einem Presse-Statement schon jetzt: „Diejenigen, die jetzt Karten anbieten, besitzen überhaupt nicht das Recht, die ihnen zugeteilten Karten auf jemanden anders zu übertragen.“ Und weiter sagt er: „Wir haben schon oft betont und tun dies nun erneut, dass wir einem Umtausch aus triftigem Grund zustimmen. Dazu gehören aber nicht Geschäftemacherei (...) Wir können nur warnen, auf diese Angebote einzugehen, weil jeder Fan, der auf diesem Weg eine Karte ersteigert, damit rechnen muss, nicht ins Stadion zu kommen."

Es bleibt also spannend. Wer wird gewinnen? Die Verkäufer, die Spaßbieter, eBay oder der DFB? Der gibt sich kämpferisch: „Wir prüfen jedenfalls auch juristische Schritte, um hier Einhalt zu gebieten, denn fraglos wird gegen unsere Verkaufsrichtlinien verstoßen und auch gegen den Markenschutz.“ Die letzte Runde in dieser Sache ist sicherlich noch lange nicht ausgetragen. Auch bei der Kartenvergabe selbst noch nicht. Denn laut DFB könnten nach der Auslosung im Dezember noch einmal Kontingente freiwerden, wenn die teilnehmenden Verbände mitteilen, ob sie die reservierten Bestände von acht Prozent der Stadionkapazität auch wirklich komplett abnehmen.

Geschrieben von Thomas