Stiftung will den Stadionnamen

Nach der Zustimmung der Molsiris-Anteilseigner atmeten wir alle tief durch. Das Sanierungskonzept kann nun umgesetzt werden. Aber was ist mit dem mit 7 Millionen Euro verschuldeten Verein? Und was passiert, wenn das Sanierungskonzept ins Stocken gerät? Eine Gruppe prominenter BVB-Fans und –Sympathisanten will eine Stiftung gründen, die dem BVB helfen soll, sportlich und finanziell wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.


Der Rahmen, in dem das Stiftungskonzept vorgestellt wurde, hatte etwas Anheimelndes: BVB-Embleme, die Silhouette der Stadt, die Logos bekannter Dortmunder Firmen – das Theater Olpketal versprüht reichlich Lokalkolorit. Durchaus passend, denn die Stadt Dortmund und die Region sollen wieder in den Vordergrund rücken, wenn es um den BVB geht. Das ist eines der Ziele der Initiative „BVB Fans & Freunde“. Große Sorgen um die Zukunft unserer Borussia treiben die Initiatoren um: „Wird unser BVB das angerichtete Finanz-Desaster überstehen? Wird im Laufe der löblichen Sanierungsbestrebungen mehr als nur die sprichwörtliche Sparflamme für Borussia Dortmund möglich sein?“ – die Fragen der Initiative dürften mit denen der Fans übereinstimmen.

„In der Not zeigt sich, welche Freunde man hat“, sagte Bruno Knust kurz zur Eröffnung. Und in der Tat, der BVB hat einen illustren Freundeskreis, der nun helfen möchte (in alphabetischer Reihenfolge):




Reinhard Beck – 1. Vorsitzender der Fanabteilung, Mitarbeiter schwatzgelb.de
Franz-Josef Drabig – Vorstand RWE Systems
Dr. Ernst Faltz – Unternehmer
Hermann Heinemann – Ex-NRW-Arbeitsminister
Jörg Heinemann – Rechtsanwalt
Hans-Peter Immel – IHK-Präsident Dortmund
Ulrich Jordan – Vorstand Citibank Deutschland
Dr. Wolfgang Kiwitt – Chefredakteur Ruhr Nachrichten
Bruno Knust – Kabarettist
Dr. Gerhard Langemeyer – OB Dortmund
Lambert Lensing-Wolff – Verleger
Dr. Winfried Materna – Unternehmer
Fritz Pleitgen – Intendant WDR
Gerhard Reibert – Vorstand Märkische Bank
Freddie Röckenhaus – Journalist
Michael Rummenigge – Ex-BVB-Profi
Harald Schartau – NRW-Wirtschaftsminister
Olaf Suplicki – 2. Vorsitzender der Fanabteilung
Günter Wendel – Wirtschaftsprüfer
Michael Wienand – Unternehmer
Werner Wirsing – Unternehmer
Die Stiftung möchte den BVB in der kommenden schwierigen Zeit begleiten und dem Verein und der KGaA helfen. „Wir wollen keine Oppositions-Veranstaltung zum BVB sein, sondern den Verein ins Jahr 2009 begleiten“, erklärt Reinhard Beck. „Der BVB ist eine Identität stiftende Institution in Dortmund. Er muss wieder in der Stadt und der Bevölkerung verankert werden.“, so Reinhard weiter. Die Stiftung will dafür Gelder für die Jugendarbeit zur Verfügung stellen. Der BVB, so der Wunsch, muss ein ambitionierter Bundesliga-Verein werden, muss dabei aber ein Volksverein bleiben.

Das Engagement in der Stadt ist offenbar groß. IHK-Präsident Hans-Peter Immel hat schon mit Vertretern der Handwerkskammer und des City-Rings gesprochen – „Ich bin zuversichtlich, dass wir alle wirtschaftlichen Kräfte mit ins Boot holen.“ Sollte das wirklich klappen, hätte der BVB wirklich den Rückhalt der breiten Bevölkerung weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Reinhard Beck: „Fans, Freunde und Sympathisanten haben die Chance zu zeigen, dass sie wirklich die besten Fans der Liga sind. Der Verein ist es wert, für ihn zu kämpfen. Das geht am besten, wenn man die Kräfte bündelt.“
Die Hilfe soll auf einem Drei-Säulen-Modell fußen:

1. Die schätzungsweise 35.000 organisierten Fans in den rund 650 Fan-Clubs können über eigene Aktionen Spenden für die Stiftung sammeln.
2. Die rund vier Millionen BVB-Sympathisanten in ganz Deutschland können sich finanziell in die Stiftung einbringen. In einer Aktion, ähnlich der Nike-Aktion „Stand up, speak up“ sollen Armbänder verkauft werden, deren Erlös ebenfalls der Stiftung zufließt.
3. Fan-Clubs und unorganisierte Fans können Spenden sammeln und werden dafür – ähnlich dem Walk of Fame in Hollywood mit einem Messingstern – in Anlehnung an das Lied „Leuchte auf, mein Stern Borussia“ – im Stadion verewigt.
Für den „Walk of Fame“ sucht die Initiative noch nach einem passenden Namen. Wer Vorschläge hat, kann diese an bvb-fanabteilung@gmx.de oder sterne@schwatzgelb.de mailen.

Das gesammelte Geld will die Stiftung einsetzen, um einerseits dem Verein BVB bei der Gesundung zu helfen, andererseits aber auch, um die KGaA schneller zu entschulden und die Politik des BVB somit wieder weg von Veranstaltungen wie der Molsiris-Versammlung wieder zurück in die eigenen Hände zu legen – und in der Fans.

Kernpunkt des Stiftungs-Plans ist jedoch etwas, das die Fans schon lange umtreibt: Die Namensrechte am Stadion. Die Rechte am Namen der Spielstätte sind so ziemlich das einzige Gut, das der BVB noch nicht verpfändet oder verkauft hat. Zwar besitzt eon eine Option, die jedoch am 30.6. 2006 ausläuft. Bis dahin will die Stiftung genügend Geld auftreiben, um der KGaA die Namensrechte abzukaufen und dafür selbst nach einem Investoren suchen, der den Namen dann für sich vermarkten kann.
Das Ziel: Der Name „Westfalenstadion“ soll dabei möglichst erhalten bleiben. Der Investor könnte dann etwa seinen Firmennamen mit dem Namen „Westfalenstadion“ koppeln oder das Stadion für seine Werbung nutzen. Die Stiftungs-Initiatoren hoffen dabei auf die Tradition und den hohen Bekanntheitsgrad des Namens „Westfalenstadion", zumal der Tempel ja auch während der WM seinen „echten“ Namen tragen wird.
Borussias Schatzmeister und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke begegnet der Stiftungs-Idee „grundsätzlich mit Sympathie“. Er pocht aber darauf, dass der Verein Herr über seine eigenen Entscheidungen bleiben muss. Den „honorigen Persönlichkeiten“ in der Initiative bringe er aber viel Vertrauen entgegen. Entscheidend sei, wie die Idee mit Leben gefüllt werde.

„Wir brauchen nicht noch einen weiteren Ausschuss oder ein weiteres Sprachrohr um den BVB herum.“ Vorschläge sollten daher stets intern besprochen werden. „Reinhard Rauball und ich sind nicht beratungsresistent“, so Watzke. Der Fahrplan, wann die Stiftung ihre Arbeit aufnehmen kann, steht indes noch nicht fest. Dazu müssen noch zu viele rechtliche Fragen geklärt werden. Doch die Idee ist nun in der Welt und der illustre Initiatoren-Kreis scheint gewillt, mit der Stiftung an den Start zu gehen. Reinhard Beck sieht nun die Chance gekommen, den Verein seinen Fans zurückzugeben: „Ich habe noch nie einen solchen Zusammenhalt unter den Fans erlebt, wie zurzeit.“ Seine Hoffnung für die Zukunft: „Viele Leute sagen, ihnen täten die Fans leid. Mitleid tut aber weh. Ich möchte wieder stolz auf meinen Verein sein.“

Geschrieben von desperado09