Jenseits von Fußball und Freude: ein Besuch im KZ Sachsenhausen
Nach dem überraschenden Sieg gegen die alte Dame stand für viele Fans das Feiern im Vordergrund. Während viele den Sonntag damit verbracht haben dürften, sich von den Party- und Reisestrapazen zu erholen, nutzte eine Gruppe Fans den Sonntag, um dem Konzentrationslager Sachsenhausen nördlich von Berlin, genauer gesagt in Oranienburg gelegen, einen Besuch abzustatten. Diese Tour wurde unter Beteiligung der BVB-Fanbetreuung, des Fanprojekts und der Projektgruppe Zivilcourage der BVB-Fanabteilung organisiert. Hatte man den Samstagabend noch mit Kino (6. Ausgabe des Internationalen Fußballfilmfestivals 11mm) und lecker Essen ausklingen lassen, stand am Sonntag mit dem Besuch des Konzentrationslagers sehr schwere Kost auf dem Programm.
Da man sehr zeitig da war, entschied man sich, die Massengräber der Opfer des sowjetischen Speziallagers Nr. 7 zu erkunden. Danach gingen die Führungen durch das Arbeitslager Sachsenhausen los. Die zumeist jungen BVB-Fans bekamen ein tieferen und greifbaren Einblick in das ungeheuerliche Ausmaß des Grauens der NS-Diktatur. Das Konzentrationslager wurde 1936 eingerichtet und 1945 von der sowjetischen Armee befreit. Auffällig an Sachsenhausen ist, dass die Insassen sehr gemischt waren. Die Anteile an Juden, politischen Häftlingen, Sinti, Roma und "Asozialen" waren in etwa vergleichbar, was sicherlich auch daran lag, dass Sachsenhausen ein Arbeitslager und kein Vernichtungslager war. Nach einer kurzen Einführung über die geschichtlichen Rahmendaten des Lagers und seiner Nutzung ging es auch schon auf das Gelände, unter netter Führung wurde in zwei Gruppen das Lager erkundet. Die Gruppen betraten das Gelände über den gleichen Weg wie die damaligen Insassen, dabei kam man an den ehemaligen Wohngebäuden der SS-Aufseher vorbei.
Durch das Haupttor mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ betrat man das eigentliche Lager, nach dem Exerzierplatz ging es den Todesstreifen entlang zu einer der erhaltenen Baracken. Diese ist nach einem Anschlag schwer beschädigt, trotzdem bekam man einen guten Eindruck über die Verhältnisse in den Baracken. Das Gestapo-Gefängnis hielt dann die nächsten Brocken bereit: Die Gruppe konnte selber ausprobieren, wie es sein musste, mit zwanzig Mann in einer kleinen Zelle eingepfercht zu sein. Die folgende Dokumentation im Zellenbau stellte tiefergehende Informationen zur Arbeitsweise der Gestapo. Man konnte deutlich spüren, dass es eben doch etwas anderes ist, solche Dinge sehen und anfassen zu können, als in irgendeinem Geschichtsbuch darüber zu lesen.
Anschließend ging es zu einer Dauerausstellung in der Häftlingsküche, sehr beeindruckend waren die originalen Requisiten und die Häftlingszeichnung im Keller. Der Gegensatz zwischen hoffnungslosem Lageralltag und teilweise wundervollen Zeichnungen war sehr bedrückend. Abschließend besuchten die Gruppen das Krematorium, nach anderthalb Stunden war die Führung vorbei.
Der Besuch des KZ Sachsenhausen war sicherlich eine richtige und wichtige Tour, für die Organisation und Durchführung gilt allen Verantwortlichen ein Dank. Dass es davon eine Fortsetzung geben soll, ist umso sinnvoller. Das Feld Fußball wurde genutzt, um eine gemeinschaftlich wichtige Erfahrung zu machen - und auch das gehört zu einer verantwortungsvollen und ausgefüllten Vereinsarbeit jenseits von Fußball und Feiern dazu.
Für jeden, der nun vielleicht auch mit dem Gedanken eines Besuches spielt, hier noch einmal die wichtigsten Informationen:
Das KZ Sachsenhausen:
Straße der Nationen 22
D-16515 Oranienburg
Besucherdienst / Anmeldung: +49-(0)3301-200-200
Fax: +49-(0)3301-200-201
E-Mail: besucherdienst@gedenkstaette-sachsenhausen.de
Öffnungszeiten:
15. März bis 14 Oktober: täglich 8.30 - 18.00 Uhr
15. Oktober bis 14. März: täglich 8.30 - 16.30 Uhr
Montags sind die Museen, das Archiv und die Bibliothek geschlossen
Preise
Der Eintritt ist frei.
Führungen:
Die Kosten für die insbesondere von Schulklassen stärker nachgefragten Führungsangebote liegen im Gruppentarif bei € 15,- für Gruppen bis zu 15 Personen und bei € 25,- für Gruppen bis zu 30 Personen Als pädagogisch verantwortbare maximale Größe je Gruppe erscheint uns eine Zahl von 30 Personen. Für fremdsprachige Führungen wird ein Aufschlag von € 25,- je Gruppe erhoben.
Thematische Führungen: € 2,50 (ermäßigt € 1,50)
Verkehrsverbindungen (ab Berlin-Zentrum)
Bahn:
S-Bahn-Linie S 1 (Wannsee-Oranienburg) bis Bhf. Oranienburg (Endstation; Fahrtzeit ab Bhf. Berlin Friedrichstraße 45 Min., alle 20 Minuten)
Regionalbahn RE 5 ab Berlin-Hauptbahnhof (Richtung Stralsund/Rostock) bis Bhf. Oranienburg (Fahrtzeit ab Berlin-Hauptbahnhof 25 Min., stündlich)
Regionalbahn RB 12 ab Berlin-Lichtenberg (Richtung Templin) bis Bhf. Oranienburg (Fahrtzeit 25 Min., stündlich)
Fahrkarten zum VBB-Tarif, von Berlin-Hauptbahnhof bzw.Berlin-Friedrichstraße Tarifstufe "Berlin ABC", von Berlin-Lichtenberg "Berlin BC"
Buslinie 804 (stündlich) Richtung Malz bis zur Gedenkstätte vom Bahnhofsvorplatz oder ausgeschilderter Fußweg (20 Min.)
PKW / Bus:
Auf der Stadtautobahn A 111 Richtung Hamburg; am Oranienburger Kreuz auf die A 10 (Berliner Ring) in Richtung Prenzlau bis Abfahrt Birkenwerder; auf der B 96 bis Oranienburg und auf der ausgeschilderten Strecke zur Gedenkstätte.
Zu finden unter: http://www.stiftung-bg.de/gums/index.php
mrg, 06.04.2009
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