Das Geld wird knapp

EvonikDie Wirtschaftskrise walzt sich unaufhörlich über die Welt. Kein Land, keine Branche bleibt verschont und auch der Fußball wird mit hinein gezogen. Waren die warnenden Stimmen Ende des vergangenen Jahres noch leise und zurückhaltend, wird die Unruhe nun immer deutlicher. Während einige Manager sich nicht beirren lassen und immernoch von Wachstum und florierenden Geschäften ausgehen, hört man aus München und Dortmund derzeit ganz andere Töne. Es ist klar, dass sich die Firmen zur Zeit sehr zurückhalten, wenn es um konkrete Sponsoringzusagen geht. Gerade bei den Kleinsponsoren soll man den Nachfrageeinbruch schon spüren. Höchste Zeit also, sich mal mit den „Partnern“ von unserer Borussia zu beschäftigen: Wie sind die Unternehmen aufgestellt, wie beeinflusst die Krise sie und welche Risiken könnten da für Borussia Dortmund lauern? Zusätzlich beschäftigen wir uns nochmal mit der Lage von Premiere, das den Großteil der Fernsehgelder beisteuert.

Nun erstmal zu den direkten Sponsoren von Borussia Dortmund.

Hauptsponsor Evonik

Seit dem Sommer 2006 hat sich Evonik diesen Platz gesichert. Damals noch namenlos, präsentiert sich mittlerweile die Ausgliederung aus der RAG AG in lila unter dem neuen Kunstnamen. Die Ausgliederung umfasst den so genannten „weißen Bereich“, Chemie, Energie und Immobilien. Eigenen Angaben zufolge sieht sich das Unternehmen gut gerüstet für die Krise. Man rechnet offiziell mit einer Rezession in Nordamerika und spürt schon deutlich den Nachfrageeinbruch vor allem im Chemiegeschäft. Dort hofft man durch die Schwerpunktlegung auf Spezialchemie etwas unabhängiger von der Krise zu sein. Diese Ausrichtung gilt allerdings für die meisten westlichen Chemiekonzerne, und vergleichbare Anbieter wie BASF und Altana haben ihre Gewinnprognosen schon korrigieren müssen. Gerade die Krise in der Autoindustrie setzt dabei den Konzernen zu.

Auch der Energiesektor sollte unter Druck geraten. Die Preise für Energie kommen durch das Platzen der Spekulationsblase und die geringere Nachfrage langsam ins Rutschen. In diesem Sektor macht sich auch der starke Euro laut Evonik negativ bemerkbar. Aufgrund der Schwächen von Nordamerika, England, Japan und Osteuropa steht nicht zu erwarten, dass der Euro spürbar abgewertet wird.

Bei den Immobilien profitiert Evonik davon, dass der deutsche Immobilienmarkt nicht so überhitzt war, wie die Märkte in den USA, England und Spanien. Dadurch sind hier die Preise nicht so massiv ins Rutschen geraten und das Geschäftsfeld bewegt sich in relativ ruhigem Gewässer.

Mit Evonik scheint der BVB einen sehr gesunden und starken Partner zu haben, der im Rahmen seiner Markenstrategie offensichtlich ein Interesse an der immer noch vorhandenen Strahlkraft der Marke BVB hat.

Ausrüster Kappa

Da im Sommer der Wechsel von Nike zu Kappa ansteht, ist es müßig, über die Lage des amerikanischen Giganten zu spekulieren. Der Mutterkonzern (BasicNet S.p.A.) von Kappa hat in den ersten drei Quartalen des vergangen Jahres ordentliche Wachstumsraten erzielt. Damit lag man im Trend, da Nike, Puma und Adidas ähnliche Entwicklungen vorzuweisen haben. Für das laufende Jahr rechnen die großen Drei mit einer Eindämmung der Konsumlaune. Nike und Puma haben aufgrund eines Absatzeinbruches im letzten Quartal großflächigen Arbeitsplatzabbau angekündigt. Adidas möchte auf Entlassungen verzichten, drückt aber auch auf die Kostenbremse. BasicNet S.p.A. ist verhalten optimistisch. Man bereitet sich auf die Rezession vor, hilfreich sollte sich die Umschuldung auf langfristige Schulden erweisen.

Namensgeber Signal Iduna

WestfalenstadionDie Signal Iduna besetzt beim BVB die Position eines Champion Partners und gleichzeitig den ungeliebten Stadionnamen. In der öffentlichen Wahrnehmung tritt sie hauptsächlich als Lebensversicherer auf. Nach Aussage der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) sind die Lebensversicherer in der Breite nicht bedroht. Zwar stehen sie auch unter verschärfter Beobachtung, das Geschäftsmodell der Versicherer ist aber nicht so anfällig. Positiv wirkt sich für die Signal Iduna sicherlich aus, dass die eigene Fondsgesellschaft Hansainvest sich entgegen dem Markt sehr gut geschlagen hat. Die Signal Iduna sieht sich selbst in einer Position der Stärke, und man hofft, bei einer Konsolidierung des Marktes als Aufkäufer tätig werden zu können. Nach Verlautbarung der Signal Iduna ist die zugehörige Conrad Hinrich Donner Bank nicht von der Finanzmarktkrise betroffen.

Fraglich bleibt die langfristige Strategie der Versicherung. Es kommt zu widersprüchlichen Signalen; zwar wurde erst vor kurzem der Vertrag über den Stadionnamen verlängert, vorher hieß es aber, man sei mit der Verbreitung des Namens unzufrieden. Die Zukunft wird zeigen, ob die Signal Iduna ihr doch erhebliches Engagement so aufrecht erhalten kann oder will.

Champion Partner Coca Cola

Coca Cola gilt gemeinhein als die weltweit bekannteste Marke. Der Global Player aus Atlanta vertreibt Erfrischungsgetränke rund um den Erdball. Trotz eines Nachfragerückgangs im Heimatmarkt konnte der Konzern sein Absatzvolumen insgesamt steigern. Das rechtzeitige Ausweiten der Palette auf Säfte, Wasser und Teegetränke schlägt sich auch in einem Gewinnzuwachs wieder. Durch den starken Markennamen behauptet sich Coca Cola auch bei vorsichtigen Konsumenten. Die einzige Schwäche ist die Abhängigkeit vom Dollarkurs. Der Coca‑Cola‑Konzern gibt hohe Summen für das Sportsponsoring aus, dies gilt der Imagepflege. Von daher kann man damit rechnen, dass Coca Cola auch beim Fußball engagiert bleibt. Zumal der Wettbewerb mit Pepsi dazu zwingt, keinen Boden kampflos abzugeben.

Champion Partner Sparda-Bank

Die genossenschaftlichen Banken steuern sehr ruhig durch die Turbolenzen an den Finanzmärkten, da sie mehr in der Immobilien- und Baufinanzierung im Inland engagiert sind, als in Immobilien in den USA, England oder Spanien. Auch wenn das Zentralinstitut DZ Bank im vergangenen Geschäftsjahr Verluste durch Wertberichtigungen von Engagements in Island und den USA (Lehman Brothers) hinnehmen musste, ist das System der Sparda-Banken grundsätzlich stabil. Im Rahmen der Finanzkrise wird nun mit einem härteren Wettbewerb gerechnet, da kann sich der BVB als Werbemaßnahme auszahlen.

Champion Partner AWD

SponsorenbandenDer Finanzvertrieb aus Hannover ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewachsen und gehört nun zu einem der größten in Europa. Der Konzern, der Teil der Schweizer Versicherung Swiss-Life ist, plant mit weiter wachsenden Geschäften. Der Konzernteil musste aber im Zuge der Finanzkrise einen Ergebnisknick verkraften. Besonders kritisch stellt sich das Geschäft in Großbritannien dar, das nur Verluste schreibt. Auch der Mutterkonzern reagierte auf die Krise mit dem Stopp eines Aktienrückkaufsprogrammes, der Streichung der geplanten Dividende und einer Senkung der Gewinnprognose. Das Geschäft wird noch zusätzlich belastet durch die unklare Situation bei MLP. Insgesamt ist der Konzern jedoch recht sicher aufgestellt, und bei einer weiter aggressiven Expansion sind Sponsoringmaßnahmen kaum wegzudenken.

"Champion Partner" Radeberger Gruppe

Brinkhoff‘s No. 1 ist Teil der Radeberger Gruppe. Alle Bierbrauer hatten in den letzten Jahren auf dem deutschen Markt schwer zu kämpfen. Fallenden Absatzvolumen wurde mit Mixgetränken versucht gegenzusteuern. Dazu waren die letzten Jahre durch eine Reihe von Übernahmen gekennzeichnet. Erschwerend kam der starke Rückgang der Gastronomieabsatz hinzu, da deutsche Brauer bei Fassbieren traditionell stark waren. Insgesamt konnte die Gruppe ihre Position auf dem deutschen Markt behaupten, durch Preiserhöhungen konnte der Absatzrückgang nahezu ausgeglichen werden. In einem schrumpfenden Markt wird es für die Radeberger Gruppe wichtig sein, ihren Marktanteil zu behaupten.

"Champion Partner" Brilliance

Der chinesische Autobauer ist der Exot unter den Champion Partnern. Die chinesische Autoindustrie steckt noch in den Kinderschuhen. In China existieren rund 200 Autoproduzenten. Trotz der Fiaskos um die Crashtests bei den in Europa vertriebenen Modellen von Brilliance und Landwind sind die Chinesen optimistisch, bald auf den Weltmarkt Fuß zu fassen. Da ist der deutsche Markt sicherlich sehr interessant. Allerdings stehen die Hersteller vor einigen Problemen. Im Heimatmarkt haben sich gerade die Europäer schon sehr breit gemacht, zusätzlich kommt der weltweite Nachfrageeinbruch. Auch beim Händlernetz hat Brilliance massiven Nachholbedarf.

Vorteil ist zur Zeit sicherlich die immer noch enge Verzahnung von Unternehmen, Markt und Staat in China. So ist der chinesische Markt relativ abgeschottet gegen die Finanzkrise und wird nur durch den Exportrückgang wirklich getroffen. Die Absatzzahlen von Brilliance in Deutschland sind nach wie vor verschwindend gering, und es gibt keine Anzeichen, dass sich dies in näherer Zukunft ändern sollte. Insofern lässt sich das Engagement bei Borussia Dortmund bestenfalls als perspektivisch beschreiben. Nach eigener Aussage verfolgt man mit dem BVB eine langfristige Partnerschaft zur Markenpositionierung, viel ist seitdem aber nicht passiert.

Partner Langnese

Langnese ist eine Marke des Unilever-Konzerns, der 400 Marken im Körperpflege- und Nahrungsmittelsegment führt. Aufgrund der Kaufzurückhaltung der Konsumenten hat der Konzern seine Prognosen für das laufende und kommende Geschäftsjahr einkassiert. Neben internen Baustellen, die den Konzern seit Jahren verfolgen, ist nun die Wirtschaftskrise ein weiteres Problemfeld. Bei rückläufigen Verkaufszahlen haben sich die Preisanhebung aufgrund der höheren Rohstoffkosten wie Gift ausgewirkt. Bröckelnde Wachstumsraten in den Schwellenländern verschärfen die trüben Geschäftsaussichten.

Partner McDonald‘s

Die Schnellrestaurants sind Gewinner der Krise. Während die traditionelle Gastronomie die Folgen zu spüren bekommt, wachsen die McDonald‘s und Co. ungebremst weiter. Der Trend geht zu Fertig- bzw. Billigessen.

Partner KHS

Bekommt die zurückhaltende Investitionsbereitschaft zu spüren. Die Getränkeindustrie hält sich mit Neuinvestitionen zurück, vor allem Ersatzinvestitionen und Serviceleistungen bestimmen das Geschäft. Sollte die Krise länger dauern, werden auch Einschnitte bei KHS unumgänglich sein.

Medienpartner Ruhr Nachrichten

Der Zeitungsmarkt leidet unter den sinkenden Werbeausgaben der Unternehmen. Davon werden sich die Ruhr Nachrichten auch nicht abkapseln können. Der BVB ist anderseits sicherlich ein wichtiges Zugpferd im reionalen Wettbewerb der Zeitung.

Partner Petit Bistro

Petit Bistro ist nur die Marke der Bistros in den Aral-Tankstellen. Diese wiederum gehören zum BP Konzern. Europas größter nicht staatlicher Ölkonzern kämpft mit dem sinkenden Ölpreis und hausgemachten Problemen. Immer wieder wird dem Konzern Ineffizienz vorgeworfen. Die privaten Ölkonzerne stehen langfristig vor dem Problem der Erschließung neuer Ölquellen. Bis diese Probleme aber wirklich akut werden, steht der Konzern sehr sicher da.

Partner The Phone House

Die Elektronikkette ist auf Expansion ausgerichtet. Neben dem massiven Ausbau der Ladenkette steht gerade eine Umstrukturierung an. Man möchte weg vom reinen Handyverkäufer, hin zum Elektronikkomplettanbieter. Dabei stößt man in die Richtung von Media Markt und Saturn. Ob man sich gegen diese Marktmacht großflächig durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Die aktuelle Konsumzurückhaltung wird die Kette sicherlich beschäftigen.

PieperÜber die restlichen Sponsoren (Partner) sind keine zuverlässigen Angaben zu machen. Sie werden aber auch von der Investitions- und Kaufzurückhaltung getroffen sein. Generell haben wir es mit einer unvergleichbaren Krise zu tun, bei der die Auswirkungen noch nicht abzusehen sind. Angeblich rechnet mittlerweile auch die Bundesregierung intern mit bis zu 5 % negativen Wirtschaftswachstum. Auch die Weltbank wird in den nächsten Tagen eine Prognose von ein bis zwei Prozent negativen Weltwirtschaftswachstum veröffentlichen, ein weiter Schlag für die so wichtige deutsche Exportindustrie. Mit ThyssenKrupp hat nun der erste industrielle Großkonzern Arbeitsplatzabbau angekündigt, das zieht natürlich bei Zulieferern und Partner Kreise, von daher wird mit steigenden Arbeitslosen zahlen gerechnet, die wiederum die Konsumkraft untergraben.

Premiere - ein Faß ohne Boden

PremiereKommen wir nun zu Premiere, dem großen Geldgeber für die Bundesligaklubs. Nach dem kläglichen Intermezzo von Arena und der gescheiterten Vorproduktion mit Leo Kirch und Sirius liegen die TV Rechte nun wieder beim Bezahlsender. Doch Premiere wusste in den letzten Monaten auch nicht zu überzeugen. Ohne die News Corperation von Rupert Murdoch wären wohl schon die Lichter ausgegangen. Nach dem Skandal um falsche Abonnentenzahlen tauchte eine große Finanzlücke auf. Durch eine Kapitalerhöhung und ein neues Darlehen konnte die Zahlungsunfähigkeit immerhin vermieden werden. Dies war wohl nur möglich, da mit Rupert Murdoch ein potenter Investor gefunden worden war, der auch garantierte, dass auch kommende Kapitalerhöhungen komplett gezeichnet werden. Neuesten Aussagen zufolge steuert Premiere bis 2011 die Gewinnzone an. Ob dies wirklich klappt, ist fraglich, da Premiere in seiner ganzen Firmengeschichte nie wirklich überzeugen konnte. In diese Stoßrichtung scheint auch Uli Hoeneß mit seiner jüngsten Forderung zu zielen. Hoeneß scheint Zweifel zu haben, ob Pay-TV überhaupt lukrativ in Deutschland betrieben werden kann. Wie dem auch sei: Wenn Premiere eine Chance haben will, kommen sie um die TV-Rechte für den Fußball nicht herum. Mit Rupert Murdoch scheint die nötige Sicherheit da zu sein, doch wer hätte vor der Kirchkrise gedacht, dass dieses Konglomerat einfach in sich zusammenfällt? Insgesamt also auch kein Pfeiler, auf den man sich zu sehr verlassen sollte.

mrg, 24.03.09