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Eua Senf - 14.10.2017

​Alles gleich?

Immer wieder wird behauptet, dass sich moderne Fußballkonzerne wie der BVB nicht unterscheiden von einem Konstrukt wie Rasenballsport Leipzig. Mal abgesehen von der seltsamen Gründungsgeschichte RB Leipzigs, indem man einen anderen Verein „schluckte“, gibt es dabei schlichtweg erhebliche Unterschiede in den Strukturen und bei den beteiligten Personen, welche über die Geschicke entscheiden und dabei ihre Interessen einbringen.

Der BVB ist keine Aktiengesellschaft, sondern eine GmbH und Co. KG auf Aktien, über deren Geschicke einzig und alleine ein „Souverän“ bestimmt. Dieser Souverän sind die über 150.000 Mitglieder des eingetragenen Vereins Borussia Dortmund. Es gibt eine gewaltige Fanabteilung – mit über 17.000 Mitgliedern –, welche die Fans im Verein vertritt und im Interesse der Fans und Mitglieder Einfluss auf die Geschäftsführung nimmt.

Entscheidend ist dabei: Alle Macht über die GmbH und Co. KGaA geht von den 150.000 Mitgliedern aus, welche über eine Geschäftsführungs-GmbH direkt die Kapitalgesellschaft kontrollieren und über z.B. den Verkauf oder anteiligen Verkauf von Anteilen entscheidet.

Die Mitglieder sind somit d e r eigentliche Eigentümer und halten de facto alle Fäden in der Hand. So wie es früher und schon immer war.

Und ja, bei uns werden diese Mitglieder auch beteiligt, gefragt und haben Einfluss. Über die gewählten Vertreter des Vorstandes, aber auch ganz direkt über unsere Fanabteilung. Zudem werden sie seitens unserer Geschäftsführung ganz direkt eingebunden und haben dort Gehör und auch eine Stimme.

Ob man an die Börse hätte gehen müssen / sollen, ist eine andere Frage. Wie der ehemalige NRW-Minister auf Niebaums letzter Hauptversammlung klar und deutlich ausführte, war der Börsengang eine „Notoperation“, um an frisches Kapital zu kommen. Herr Heinemann griff damals seinen Freund direkt an und warf ihm vor, er habe die Fans und Mitglieder damals bewusst getäuscht und eine finanziell kraftvollen BVB vorgetäuscht, welchen es schon ab Mitte der Neunziger nicht mehr gab. Ich selbst stimmte damals auch gegen den Börsengang, weil mir bekannt war, dass dies einzig eine Notbeatmung war, zu Lasten derer, die diese Aktien erwerben würden. Darunter zu einem großen Anteil auch der eingetragenen Verein. Bereits 1996/97 hätte es einer kompletten Neuausrichtung der BVB-Finanzen bedurft, und zwar auf der Kostenseite, um das zu verhindern, was dann Jahre später passierte. Aber das wollten damals nur wenige hören/glauben und der Organisationsgrad unter den Mitgliedern und Fans war auch deutlich geringer. Da hat man heute ganz andere Möglichkeiten.

Heute ist unsere Börsennotierung in meinen Augen, bei unserer Rechtsform, eine der saubersten und transparentesten Lösungen überhaupt. Wir können in dieser Branche das nötige Geld generieren, ohne dass wir uns „verkaufen“ müssen oder Kredite benötigen. Zu kritisieren gibt es dennoch Einiges, so man den prinzipiellen Entwicklungen im Fußball kritisch gegenüber steht. Aber eine Mehrheit der Mitglieder will wohl da vor allem eins: Der BVB soll sportlich erfolgreich sein. Und die Geschäftsführer sollen alles dafür Nötige tun. Was sie dann halt im Rahmen dieser Branche auch machen.

Aber oft genug auch eben durch Mitglieder und Fans dabei gebremst werden. Sei es bei völlig überzogenen Ticketpreisen wie vor zwei Jahren im Rahmen der Europa League oder im Falle der Einführung eines Zweitmarkts für Tickets. Auch unsägliche Werbebotschaften an Parkeinfahrten wurden auf Druck der Fans entfernt. Und selbst bei Transfers wie jenem von Mario Götze werden Fanvertreter durch die Geschäftsführer eingebunden und befragt.

Und genau das unterscheidet uns massiv von einem künstlichen Gebilde wie RB Leipzig. Dass der DFB dieses Konstrukt erlaubte, ist und bleibt ein schwerer Fehler. Die Entscheidungen der DFL und UEFA waren nur konsequente Fortsetzungen dieses initialen Versagens des DFB.

Gleichzeitig hält der Verein auch noch 6 % der Aktien. Der Aufsichtsrat bei der KGaA ist besetzt durch unsere Investoren und prominente Personen wie z.B. Peer Steinbrück. Aber in Dr. Lunow ist dort auch ein Vertreter des e.V. vertreten, da auch der e.V. einer der großen Investoren ist. Der Aufsichtsrat ist einzig dafür da, die Geschäftsführung zu überwachen. Exekutive Macht hat er über die GmbH und Co. KGaA aber nicht.

Herr Rauball, gewählt durch die Mitglieder, ist die mächtigste Person beim BVB. Und zwar übergreifend. Er kann Herrn Watzke absetzten/ersetzen durch seine Position im Präsidialauschuss, welcher beim Beirat angegliedert ist. Im Beirat, dem mächtigsten Kontrollorgan beim BVB, sind dabei auch Vertreter der Investorenseite (z.B. Herr Schulte von Signal Iduna). Aber z.B. auch der Bürgermeister der Stadt Dortmund, Gerd Pieper oder der „ewige“ Michele Puller sowie die Vorstände des eingetragenen Vereins.

Der so genannte Präsidialausschuss ist dabei das mächtigste Organ des Vereins. In ihm sitzen keine Vertreter der Investorenseite. Namentlich sitzen dort:

  • Dr. Reinhard Rauball (Vorsitzender)
  • Dr. Winfried Materna
  • Dr. Michele Puller
  • Gerd Pieper

Es wäre hier sehr wünschenswert, dass auch ein Fanvertreter (z.B. aus der Fanabteilung) Teil dieses mächtigen Organs würde. Aber zumindest sind an dieser Stelle einzig und allein der e.V. und seine gewählten Vertreter präsent.

Die Rechtsform ist gewählt, weil anders ein 400-500 Millionen Euro-Konzern seriös kaum zu führen ist und weil man so kaufmännisch einen gewinnorientierten Konzern führen kann. Die damals von Dr. Niebaum und Michael Meier gezielt geschaffene Machtfülle, indem Herr Niebaum Geschäftsführer und Präsident des e.V. in einer Person war und damit tatsächlich sein eigener Chef, wurde ja vor circa einem Jahrzehnt aufgelöst. Aber damals stimmten die Mitglieder diesem Konstrukt in unschöner Regelmäßigkeit mehrheitlich zu.

Damit man seinen Aufgaben nachkommen kann, sucht man sich Investoren, Sponsoren und wenn nötig Kreditgeber. Sie dienen der Zielerreichung, dem sportlichen Erfolg. Dafür bekommen sie entweder einen Werbewert, eine kleine Rendite, steigende Aktienkurse oder aber (im Falle von Krediten) Zinsen.

Bei Rasenballsport Leipzig sieht das völlig anders aus. Der Verein hat im Grunde keine stimmberechtigten Mitglieder. Die Führung ist einzig mit Red Bull-Getreuen besetzt. Die RasenBallsport GmbH des Spielbetriebs gehört zu 99 % der Red Bull GmbH, dem Stammkonzern von Dietrich Mateschitz. 1 % gehört dem von Red Bull dominierten 17 Mitglieder starken e.V.! Der Verein hat mit dem 1 % aber die Stimmenmehrheit, um die Regularien im Rahmen von 50+1 einzuhalten.

Herr Mintzlaff ist dabei Präsident des Mini-Vereins und Geschäftsführer der RasenBallsport Leipzig GmbH in einem.

Gegründet wurde das alles, weil Red Bull damit Werbung machen will und selbst das Heft des Handelns in der Hand halten möchte.

Mit einer vom unabhängigen Verein geführten Kapitalgesellschaft, wie bei uns, und eigentlich fast allen anderen Klubs, hat das rein gar nichts zu tun. Bei RB Leipzig dominieren einzig und allein Red Bull getreue Personen die Geschicke des Vereins, welcher seine Mitgliederversammlung in einem größeren Büroraum abhalten kann.

RB Leipzig gibt es nur aus einem Grund: es ist ein Marketing-Instrument. Wettbewerbsverzerrend zudem, denn aus eigener Kraft hat hier kein Verein sich etwas erschaffen. Es ist einfach das auf den Platz gebrachte Marketingbudget eines großen Konzerns.

Zusammengefasst könnten daher die strukturellen wie auch im Hinblick auf die Zielsetzung vorliegenden Unterschiede gar nicht größer sein. Es wäre schön, wenn zukünftig genau dies auch in der Diskussion und Berichterstattung zu diesem Thema berücksichtigt werden würde.

Phil, 14.10.2017

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