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Spielbericht Profis - 30.01.2017

​Und dann Mainze du kommst damit durch

Der Jubel über den frühen Führungstreffer.Das “Heja BVB” im Block war gerade verstummt und auf der Couch stritt man sich noch, was schlimmer sei: dass Fritz von Thurn und Taxis kommentierte oder dass Castro und Schürrle auf rechts zusammen spielen sollten, da stand Reus auch schon alleine vor dem Torwart und schob eiskalt ein. Ausgerechnet der gerade noch kritisierte Schürrle mit einer tollen Balleroberung und einem noch viel besseren Pass und Reus mit seinem gefühlt 500. Tor im 500. Spiel gegen Mainz. Oder so. Ein super Start, der dem BVB mit seiner Spielweise entgegenkommen dürfte. Doch der Pessimist auf der Couch begann auch gleich die Minuten runter zu zählen.

Basierend auf der Erfahrung gegen Bremen hatten wir noch zwölf Minuten, bis die gute Anfangsviertelstunde vorbei sein würde. Tatsächlich gab der BVB weiter Gas und hatte mehrere klare Tormöglichkeiten, wovon Castro die Beste etwas eigensinnig vergab. Und als hätte man es geahnt: nach 15 Minuten war erstmal Schluss mit schönem Angriffsfußball. Mainz bekam etwas mehr Zugriff aufs Spiel und die Borussia verlor etwas den Faden. Nicht so schlimm wie gegen Bremen und durchaus noch immer im Bereich dessen, was man eine gute erste Halbzeit nennen konnte. Mit einem Vorsprung im Rücken auswärts darf man auch mal das Zepter etwas aus der Hand geben und darauf spekulieren, dass die Heimmannschaft etwas fürs Spiel und fürs Publikum tun möchte. Tat sie aber nicht. Und so war es in der ersten Halbzeit eher Mainz anzurechnen, dass es ein relativ unansehnliches, langweiliges Spiel war.

Droht gegen Leipzig nun ein Teilausschluss der Südtribüne? Die erste Aufregung gab es dann nach der Pause. Da erleuchtete nämlich der ganze Auswärtsblock im roten Licht der Fackeln. Man kann über Pyrotechnik denken, was man will und die dafür verhängten Strafen des DFB durchaus mit Recht kritisieren. Dass der BVB jedoch auf Bewährung ist und ein nächstes Vergehen einen Teilausschluss der Südtribüne zufolge hätte, ist hinlänglich bekannt und die drei bekannten Ultra-Gruppen TU, Jubos und DES hatten sich im Sinne der Tribüne auch zurückgehalten. Vier Monate vor Ende der Bewährungsfrist hat nun aber laut Augenzeugen aus dem Block die vierte Gruppe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dafür gesorgt, dass in einem der nächsten Heimspiele rund 10.000 Südkarteninhaber nicht am Spiel teilnehmen werden können. Das ist traurig, unfair und macht wütend. Ob es dem geschuldet war oder nicht, in der zweiten Halbzeit war die Stimmung im Block dann auch ziemlich schnell verflogen. War die erste Halbzeit noch durchaus ansehnlich gewesen, so war der Gästeblock in der zweiten Halbzeit nicht mehr weit vom lust- und leblosen Auftritt des Heimpublikums entfernt.

Mario Götze konnte nach seiner Einwechslung keine Impulse setzen.

Und wie das Publikum, so agierten auch die Spieler auf dem Platz zunehmend einfallsloser. Noch immer war Mainz natürlich in der Bringschuld und der BVB mit seinem Vorsprung und den 0,0 Mainzer Torchancen sichtlich zufrieden. Trotzdem hätte es zahlreiche Situationen gegeben, in denen man mit einer klareren Spielweise aus dem defensiven Mittelfeld heraus Chancen hätte erspielen können, die auch im ein oder anderen Tor hätten enden können. Und so kam es dann halt, wie es in solchen Situationen oft kommt. Mainz spielte EINEN guten Angriff tatsächlich zu Ende – und das auch noch ziemlich gekonnt – und weg waren zwei wichtige Punkte im Kampf um Platz drei.

Der Gästeblock munterte die Mannschaft für einen eher lustlos anmutenden Auftritt und zwei verlorene Punkte am Ende trotzdem auf. Wohl auch nicht zuletzt deswegen, weil mit RaBa nächstes Wochenende der Feind des traditionellen Fußballs nach Dortmund kommt und man mit aller Macht verhindern möchte, dass die Mannschaft das Gefühl hat, die Fans stünden vor diesem hochwichtigen Spiel nicht hinter ihnen. Auch wenn ein bisschen Wut über die Leichtigkeit, mit der die Punkte heute verschenkt wurden, vielleicht durchaus angebracht gewesen wäre.

Kapitän Marcel Schmelzer leicht ratlos.

Viel wichtiger ist aber, dass man sich fängt und am nächsten Samstag mit aller Kraft und Macht die drei Punkte erkämpft, erkratzt, erbeißt, erflucht, erfoult, erhofft und erbangt. Noch ein solcher Auftritt nämlich und die Reaktion des Publikums dürfte sich um 180 Grad ändern. Sofern wir alle dem Spiel überhaupt beiwohnen dürfen.




Statistiken

1. FSV MAINZ 05: Lössl – Donati, Bell, Bungert, Brosinski – Öztunali, Gbamin, Latza, Jairo Samperio – Muto, Frei

Borussia Dortmund: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer – Weigl – Schürrle, Castro, Guerreiro, Reus – Aubameyang

Bank: Huth, Ramalho, Bussmann, De Blasis, Seydel, Holtmann, Hack – Weidenfeller, Bartra, Dembélé, Götze, Pulisic, Kagawa, Durm

Tore: 0:1 Reus (3., Schürrle), 1:1 Latza (83., Öztunali)

Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)

Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)

Nadja, 30.01.2017


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